Strauß (Strauß Struthio camelus)

Ursprünglich war der Strauß ein weit verbreiteter Bewohner der trockenen Savannen Afrikas, Arabiens und Vorderasiens. Man unterscheidet dabei aufgrund körperbaulicher Differenzen die Strausse in fünf verschiedene Unterordnungen:

  • der arabische Strauß (Struthio camelus syriacus) auf der Arabischen Halbinsel und im Nahen Osten
  • der nordafrikanische Strauß (Struthio camelus rothschildi) in Nordafrika und der südlichen Sahara
  • der Somalistrauß (Struthio camelus molybdophanes) in Somalia und im nördlichen Kenia
  • der Massaistrauß (Struthio camelus massaicus) in Ostafrika
  • der südafrikanische Strauß (Struthio camelus australis) im südlichen Afrika

Strausse sind hervorragend an ein Leben in den verhältnismäßig kargen Gebieten Afrikas angepasst. Einen großen Teil des Tages ziehen die Laufvögel umher. Ihren relativ großen Augen entgeht dabei nichts. Seien es Blüten, Samen oder Blätter, Insekten, Eidechsen oder kleine Nagetiere. Alles wird von den großen Vögeln entdeckt und als Futter angenommen. Gleichzeitig überwachen Strausse zuverlässig die Umgebung. Zebras, Antilopen und andere Savannentiere verlassen sich daher gerne auf die Wachsamkeit der Vögel. Wirklich gefährlich können den Tieren eigentlich nur Löwen und Leoparden werden. Dazu muss es den Großkatzen aber erst einmal gelingen, sich unbemerkt anzupirschen. Haben Strausse erst einmal eine Gefahr entdeckt, entziehen sie sich ihren Feinden durch schnelle Flucht. Strausse erreichen dabei fast mühelos eine Geschwindigkeit von 50 km/h. Mit einer Schrittlänge von dreieinhalb Metern Länge können die Vögel dieses Tempo durchaus 15 Minuten und länger durchhalten. In absoluten Notsituationen erreichen die Tiere sogar kurzfristig Geschwindigkeiten über 70 km/h.

Strauss Steckbrief

Klasse:Aves (Vögel)
Ordnung:Struthioniformes (Straussenvögel)
Familie:Struthionidae (Strausse)
Gattung:Struthio (Strauß)
Art:Struthio camelus
Verbreitung:östliches und südliches Afrika, Südrand der Sahara
Lebensraum:Savanne, offenes Buschland, Sandflächen mit spärlicher Vegetation sowie Küstengebiete mit immergrüner Vegetation und Bergregionen
Maße und Gewichte:Körperlänge (Männchen): 300 cm
Gewicht (Männchen): bis 150 kg
Spitzengeschwindigkeit: 72 km/h
Fortpflanzung:Die Fortpflanzungszeit der Strausse richtet sich nach dem im Verlauf des Jahres schwankenden Nahrungsangebot. Je nach geographischer Lage sind die Brutzeiten also recht unterschiedlich. Zur Vorbereitung einer Brut errichtet das Männchen innerhalb eines Territoriums mehrere Nestmulden, die es in den Staub scharrt. Hat sich nach langer Balz ein Weibchen gefunden, wählt dieses nach der Paarung eine Nestmulde aus und beginnt mit der Eiablage. Im Abstand von zwei Tagen legt das Weibchen nun insgesamt etwa acht bis zwölf Eier. Die 13 bis 16 Zentimeter langen Eier können durchaus ein Gewicht von anderthalb Kilogramm erreichen und sind damit die größten Eier im ganzen Vogelreich. Der Straussenhahn hat normalerweise neben der Haupthenne noch ein bis drei „Nebenfrauen“. Diese werden von der Haupthenne geduldet und legen mitunter selbst drei oder vier Eier ins Nest. Mit der eigentlichen Brut beginnt das Straussenpaar erst, nachdem alle Eier gelegt sind. Dadurch schlüpfen die Jungen nach sechswöchiger Brutzeit alle etwa gleichzeitig aus. Die Jungen sind typische Nestflüchter und schon nach kürzester Zeit in der Lage, Ihren Eltern deren Streifzügen zu folgen. Während der Nachwuchs in den ersten Lebenswochen noch von den Eltern beschützt wird, schließen sich die Jungstrausse bereits als Halbwüchsige zu großen Schwärmen zusammen. Die Geschlechtsreife erreichen Straussenweibchen im Alter von zwei Jahren. Männchen gelingt es in der Regel erst im Alter von drei bis vier Jahren sich fortzupflanzen.

Äußerliche Merkmale des Strauß

Strauße sind schnelle Läufer, obwohl sie nicht fliegen können. Sie können bis zu 43 Meilen pro Stunde sprinten und mit 31 Meilen pro Stunde über lange Strecken laufen. Sie können ihre Flügel als „Ruder“ benutzen, um beim Sprinten die Richtung zu wechseln. In einem einzigen Schritt können die muskulösen, langen Beine des Straußes 10 bis 16 Fuß zurücklegen. Diese Beine können auch als mächtige Waffen eingesetzt werden. Die Tritte eines Straußes können einen Menschen oder ein potentielles Raubtier wie einen Löwen töten. Aus jedem zweizehigen Fuß ragt eine lange, spitze Klaue heraus.

Strauße sind große, flugunfähige Vögel mit langen Beinen und einem aus dem runden Körper herausragenden Hals. Die Männchen locken die Weibchen mit ihrer leuchtenden schwarz-weißen Färbung an. Die Weibchen hingegen haben eine hellbraune Färbung. Strauße sind die größten Vögel der Welt. Sowohl männliche als auch weibliche Strauße haben einen kleinen Flaumbelag auf dem Kopf und im Nacken. Die Weibchen haben eine rosagraue Haut am Hals und an den Oberschenkeln, während die Männchen je nach Unterart eine graue oder rosa Haut haben.

Die Männchen sind in der Regel größer als die Weibchen, wiegen zwischen 110 und 150 kg und sind zwischen 2m und 2,70m groß. Weibchen wiegen 100 bis 120 kg und sind zwischen 1,70 m und 1,90 m groß. Strauße werden in freier Wildbahn 30 bis 40 Jahre alt. Es wurde berichtet, dass Strauße in Gefangenschaft bis zu 70 Jahre alt werden können.

Vorkommen und Lebensraum des Strauß

Verbreitungsgebiet des Strauss

Der Strauß ist in Teilen des östlichen und südlichen Afrikas sowie am ganzen südlichen Rand der Sahara zu finden.
Auf der Karte ist das Verbreitungsgebiet rot gekennzeichnet.

Strauße sind heute in den Savannen und in der Sahelzone Afrikas zu finden, sowohl nördlich als auch südlich der äquatorialen Waldzone. Sie leben in der Halbwüste oder eigentlichen Wüste im Südwesten Afrikas. Strausse kommen in einer Vielzahl von Umgebungen vor, darunter Wüsten, halbtrockene Ebenen, Savannen und offene Wälder.

Strauße ernähren sich hauptsächlich von pflanzlichen Stoffen. In freier Wildbahn besteht die Nahrung des Straußes zu etwa 60 % aus pflanzlichen Stoffen, zu 15 % aus Früchten oder Hülsenfrüchten, zu 5 % aus Insekten oder kleinen Tieren und zu 20 % aus Körnern, Salzen und Steinen.

Rudel- und Sozialverhalten

Strauße sind im Allgemeinen tagaktiv, das heißt, sie sind früh und spät am Tag aktiv. Sie ziehen in Schwärmen (Herde) von 50 Vögeln durch die Savannen. Die Männchen sind territorial und verteidigen ihr Revier aktiv. Nach Angaben des Zoos von San Diego können Herden bis zu 100 Tiere umfassen, in der Regel sind es jedoch nur zehn. Der Strauß ist ein sehr geselliger Vogel, und während der Brutzeit können Schwärme von bis zu 50 Vögeln gesichtet werden! In der übrigen Zeit des Jahres halten sie sich in kleinen Gruppen auf und werden häufig beim Grasen mit anderen Tieren wie Antilopen und Zebras beobachtet.

Fortpflanzung und Sexualverhalten des Vogel-Strauß

Strausse zeigen ihre sexuelle Anziehung auf unterschiedliche Weise. Das Männchen geht vor dem Weibchen in die Knie, bauscht seine Flügel auf, streckt den Hals aus und stöhnt laut. Das nennt man Kantling-Verhalten. Das Weibchen schnalzt mit dem Schnabel, während es seinen Hals auf den Boden senkt. Das territoriale Männchen ist polygam, das heißt, es kann sich mit mehr als einem Weibchen paaren. Andere Weibchen können sich auch mit umherstreifenden Männchen paaren. Die Eier der dominanten Henne werden dann in das gleiche Nest gelegt wie die Eier der anderen Weibchen. Das Männchen kratzt für das Nest eine flache Vertiefung in den Boden.

Ein Paarungsvorgang kann zwischen 30 und 90 Sekunden dauern, und das Männchen kann sich mehrmals am Tag mit demselben Weibchen paaren. Ein Männchen besteigt ein Weibchen von hinten. Straußeneier sind glänzend und variieren in der Farbe von hellbraun bis knochenweiß. Während der Brutzeit (April bis September) kann eine Straußenhenne ein bis zwei Eier pro Woche legen und bis zu 30 Jahre lang Eier legen.

Gefährdung des Tierart

Inzwischen sind die Bestände der Strausse allerdings deutlich geringer geworden. Zum größten Teil ist dies auf Bejagung durch den Menschen zurückzuführen, ein geringerer Anteil am Rückgang der Straussenpopulation ist auf die ebenfalls durch Menschen verursachte Beeinträchtigung seines Lebensraumes zurückzuführen. Der arabische Strauß wurde dabei bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch Jäger vollständig ausgerottet. Am stärksten gefährdet ist heute der nordafrikanische Strauß. Einst von Marokko und Algerien über den ganzen südlichen Rand der Sahara bis in den Sudan und Südägypten verbreitet, leben jetzt nur noch geringe Bestände am Südrand der Sahara. In Nordwestafrika und Ägypten ist diese Unterart des Strausses bereits ausgerottet. Die Bestände der drei verbleibenden Straussenarten gelten zur Zeit zwar nicht als ernstlich gefährdet, müssen aber immer wieder dem übermächtigen Druck des Menschen weichen und sich mit immer kleiner werdenden Revieren begnügen.

Video über die Strauß

Tierenzyklopädie

Tierenzyklopädie – das kompakte Tierlexikon

Social