Flussperlmuschel Margaritifera margaritifera


Flussperlmuschel Margaritifera margaritifera
Bewertung

Flussperlmuschel

von Robert Nordsieck (Die lebende Welt der Weichtiere)

Stamm: Mollusca (Weichtiere) Flussperlmuschel
Foto:
Klaus Bogon
Klasse: Bivalvia (Muscheln)
Ordnung: Unionacea (Süßwassermuscheln)
Familie: Margaritiferidae (Flussperlmuscheln)
Art: Margaritifera margaritifera

 

Die Flussperlmuschel war in Europa einst weit verbreitet, besonders in Skandinavien, auf den Britischen Inseln, in Mitteleuropa und in Nordwestspanien. Die unscheinbare, meist dunkelbraune bis schwarze Muschel wird durchschnittlich 10 – 13 cm lang.

Flussperlmuscheln atmen wie andere Muscheln über Kiemen. Ihr Mantel liegt in zwei großen Lappen innen an den Schalenklappen an. Die verwachsenen Mantelränder bilden eine Ein- und Ausströmöffnung (Sipho), durch die Wasser ein- und ausgestrudelt werden kann. Im Mantelraum liegen die großen Kiemen wie Blätter eines Buches übereinander. Außer zur Atmung dient den Muscheln das Wasser auch zur Ernährung. Aus dem Atemwasser filtrieren sie mikroskopisch kleine Nahrungspartikel heraus und trennen sie nach verdaulichen und unverdaulichen Partikeln.

Glochidien - Larvenstadium der Flussperlmuschel Bachforelle Auch die Fortpflanzung der Flussperlmuschel steht in grundlegendem Zusammenhang mit dem Wasser. Die Samenzellen werden vom Männchen ins Wasser entlassen und gelangen mit dem Atemwasser in die Mantelhöhle des Weibchens. Weibchen, die nicht genug Samenzellen erhalten, können sich in Zwitter umwandeln und durch Selbstbefruchtung den Fortbestand der Population sicherstellen. Die Entwicklung der Flussperlmuschel schließlich geschieht über Glochidien (Foto links), ein parasitisches Larvenstadium, das zunächst am Flussboden verweilt und über das Atemwasser von einem Fisch aufgenommen wird, in dessen Kiemen es sich dann einnistet. Eine weibliche Muschel produziert in einer Fortpflanzungsperiode drei bis fünf Millionen Glochidien, die aber nur überleben können, wenn sie einen passenden Wirtsfisch (Bachforelle (Foto rechts) oder Lachs) finden. In etwa zehn Monaten entwickelt sich aus dem 0,05 mm großen Glochidium eine 0,5 mm lange Jungmuschel, die sich am Boden festsetzt.

Flussperlmuscheln können durchschnittlich achtzig bis hundert Jahre alt werden, erreichen die Fortpflanzungsfähigkeit allerdings erst mit 15 – 20 Jahren.

Vorkommen der Flussperlmuschel sind auf kalkarme und nährstoffarme Fließgewässer beschränkt, so dass diese große Muschel vor allem in den Ober- und Mittelläufen der Flüsse der Mittelgebirge und nahegelegener Niederungen vorkommt. So kommt die holarktisch verbreitete Muschel unter anderem in den Pyrenäen, dem Massif Central, Bretagne, Normandie und Ardennen, sowie den Britischen Inseln vor. In Deutschland kommt die Flussperlmuschel nur noch in Restbeständen vor. So zum Beispiel in Lüneburger Heide, Hohem Venn, Vogelsberg, Rhön, Fichtelgebirge, Bayrischem Wald und Vogtland.

Perlmuschelbank Noch vor dreihundert Jahren bildeten Flussperlmuscheln in guten Bächen ganze Perlmuschelbänke (Foto), mit stellenweise über 1000 Tieren pro Quadratmeter, die manchmal sogar übereinander saßen. Heute sind Flussperlmuscheln eine ganzjährig unter Schutz stehende Seltenheit, die in Deutschland nur noch 3 Prozent ihrer ursprünglichen Bestände erreichen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Flussperlmuscheln bilden Perlen von teilweise sehr hoher Qualität, was seit langer Zeit zu großen Zerstörungen durch Perlenräuber geführt hat. Während die amtlich bestallten Perlenfischer Muscheln schonend behandelten, um Perlen zu ernten, zerstörten Perlenräuber über 2000 Muscheln, bevor sie einmal eine Perle fanden.

Weitere starke Bestandsrückgänge beruhen auf der Verschmutzung heimischer Gewässer durch Überdüngung mit den bekannten Folgen der Verschlammung und Eutrophierung der Gewässer, durch Übersauerung von Gewässern durch den sauren Regen und durch Abwässereinleitung. Weitere Faktoren sind die Veränderung der Fischfauna und die Verdrängung der heimischen Bachforelle durch die importierte Regenbogenforelle, die gegen die Glochidien der Flussperlmuschel immun ist.

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