Schweinswale
von Günther Behrmann
Centre of Marine Research and Investigations on Cetacea

Zur Erinnerung an Rolf C. Schmidt, der sich auf Sylt mit all seiner Kraft für den Schutz der arg verfolgten Schweinwale eingesetzt hat!

Klasse: Mammalia (Säugetiere)
Ordnung: Cetacea (Waltiere)
Unterordnung: Odontoceti (Zahnwale)
Familie: Delphinidae (Delphine)
Gattung: Phocoenidae (Schweinswale)
Art: Phocoena phocoena (Linne, 1758)
Alias: Meerschwein
englisch Common porpoise
französisch Le Marsouin
Verbreitung: Nord- und Ostsee
Maße und Gewichte: Weibchen im Durchschnitt 170 cm lang und etwa 60 kg schwer
Männchen im Durchschnitt 145 cm lang und 50 kg schwer
Fortpflanzung: 10 Monate Tragzeit, bei der Geburt ist ein Schweinswal etwa 80 cm lang.
Der Schweinswal wird auch Meerschwein oder Braunfisch genannt. Der Name Braunfisch ist ein Hinweis auf seine Hautfarbe, die viele rote Farbkomponente enthält und deshalb oft rotbraun aussieht. Die Namen Meerschwein oder Schweinswal erhielt er, weil er von den Fleischern wie die Landschweine verwertet wurde. Obwohl er unter Naturschutz steht, wird er auch heute noch von den Küstenbewohnern gerne gegessen. Die Engländer nennen ihn auch Harbour Porpoise, weil er häufig in den Häfen zu sehen ist. Zur Zeit der Fortpflanzung leben die Schweinswale in Küstennähe und schwimmen auch mal flussaufwärts. Wie viele Schweinswale es noch gibt, weiß keiner. Die Schweinswale werden auch noch von den größeren Walen gejagt und gefressen, so dass ihr Bestand gefährdet ist.

Mit ihren spitzen oder spatelförmigen Zähnchen gehen sie auf Fischfang. Sie leben hauptsächlich von Fischen, die wir Menschen nicht essen. Leider werden aber diese kleinen Fische oft in großen Mengen von den Gammelfischern gefangen und danach zu Fischmehl verarbeitet. So kommt es, dass die Schweinswale vom Hunger getrieben Plattfische fangen; sind diese zu groß, bleiben sie im Kehlkopfstecken und dann sterben die Wale daran. Der Kehlkopf des Schweinswals hat eine verlängerte Kehlkopftube, die durch die Speiseröhre hindurch bis in den Nasenhof geschoben wird. Dort umschließt den Kopf der Kehlkopftube ein Ringmuskel. Dadurch wird verhindert, dass die Wale sich unter Wasser bei der Nahrungsaufnahme verschlucken oder Wasser in die Lunge gerät. Dieser Kehlkopfverschluss muss aktiv geöffnet werden und bleibt deshalb geschlossen, wenn die Wale unter Wasser besinnungslos werden. Wale ertrinken also sehr selten, meistens ersticken sie.

Warum ersticken sie überhaupt?
Auf der Suche nach Nahrung gelangen sie oft in die Reusen oder Netze der Fischer und finden dann nicht wieder heraus. Reusen stehen immer in Landnähe an den Küsten, und in diesem Gebiet werden die Jungen geboren. Dann sieht man die Schweinswale auch oft an den Stränden, wo gebadet wird (Abb. 1). Rolf Schmidt und Birgit Hussel beobachteten vor Sylt, dass die Schweinswale ihre Jungen zwischen den Badegästen absetzten und zum Fischfang etwas weiter rausschwammen. Kehrten sie zurück, säugten sie ihre Jungen und führten sie weiter. Nun wird aber leider nicht nur an den Stranden gebadet, sondern es rasen dort auch Sportboote herum, die mit den Schiffsschrauben die langsamen Jungtiere verletzen. Der Schwall der schnell fahrenden Boote, manchmal auch größere natürliche Wellen, werfen die Jungen an Land. Wenn man sie rechtzeitig findet, können sie wieder, wenn sie nicht stark verletzt und groß genug sind, ins Meer zurückgebracht werden (Abb. 2). An Land geworfene Walbabys finden ihre Mütter nicht wieder. Die Babys müssen dann zu einer Rettungsstation gebracht werden (Abb. 3).

Weil die Schweinswale in Küstennähe leben, wo das Wasser oft trübe ist, haben sie ein sehr gut ausgebildetes Echolokationssystem. Untereinander unterhalten sie sich mit Pfiffen und Quietschtönen, die auch für uns Menschen hörbar sind. Zur Nahrungssuche verwenden sie hohe, für uns Menschen nicht hörbare Töne. Sie selber können aber diese Töne hören, denn das Gehör der Schweinswale ist feiner als das der Fledermäuse. Das innere Ohr aller Wale kann abgeschlossen werden, wodurch die empfindliche Hörschnecke vor zerstörenden Schallwellen geschützt wird. Ist das Walohr geschlossen, können die Männchen so viel singen wie sie wollen, die Weibchen erhören sie nur, wenn sie es wollen. Für die ganz hohen Töne im Ultraschallbereich haben die Wale ein hoch empfindliches Organ im Oberkiefer. Die Schallwellen ganz tiefer Töne ertasten sie mit einem Organ, das hinter den Ohrkapseln liegt. Schweinswale haben also drei Organe, mit denen sie Schallwellen erfassen können.

Ihre Augen sind an das trübe Wasser angepasst. Farben können sie nicht mehr erkennen, dafür können sie aber im dunklen Wasser besser sehen als wir, sie sind Restlichtverwerter. Die dicke, gummiartige Haut der Schweinwale ist sehr sensibel und enthält viele Nervenzellen, mit denen sie viel mehr ertasten können als wir Menschen. Ihre Nasenspitze ist noch empfindlicher als die Fingerspitzen blinder Menschen. Die Schweinswale verfügen über einen elektromagnetischen Sinn, der sie vor den elektrischen Schlägen der Zitterrochen schützt, die im gleichen Gebiete leben. Dies alles wird von einem Hirn gesteuert, das viele Falten hat und in vielen Hirnarealen mehr Nervenzellen als der Mensch in den vergleichbaren Hirnarealen besitzt.
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