Grizzlybär (Ursus arctos horribilis)

Säugetiere, Familie Bären, Gefährdung: nicht gefährdet

Aktualisiert am . Mit 8 Quellen. So entstehen unsere Tierprofile

Grizzlybär
Der Grizzlybär (Ursus arctos horribilis) in seinem typischen Lebensraum (KI Generiert)

Der Grizzlybär in Kürze

Der Grizzlybär (Ursus arctos horribilis) ist eine nordamerikanische Unterart des Braunbären. Er lebt im Westen Kanadas, in Alaska und in wenigen Berggebieten im Nordwesten der USA. Typisch sind der Buckel über den Schultern und die hellen Spitzen der Haare. Er frisst Pflanzen und Tiere und verbringt den Winter vier bis sechs Monate in einer Höhle.145

Steckbrief: Grizzlybär

GewichtMännchen etwa 180 bis 300 kg, Weibchen etwa 100 bis 160 kg14
Schulterhöhe90 bis 150 cm (Angabe für die Art Braunbär)3
Lebenserwartung Wildnismeist um 25 Jahre, einzelne Tiere über 35 Jahre1
Lebenserwartung Zoobis 40 Jahre (Höchstwert Braunbär)6
NahrungAllesfresser: Beeren, Gräser, Wurzeln, Samen, Pilze, Insekten, Fische, Säugetiere und Aas1
Winterruhevier bis sechs Monate in einer selbst gegrabenen Höhle1
Lebensweisemeist allein, Mütter mit Jungen; große, sich überlappende Streifgebiete3
Höchstgeschwindigkeit56 bis 64 km/h (35 bis 40 Meilen pro Stunde)2
Heimisch in (2 Ländern)Kanada, Vereinigte Staaten71
Ausgestorben in (1 Ländern)Mexiko71
Gefährdung

nicht gefährdet (LC) laut Roter Liste der IUCN für gilt für die ganze Art Braunbär, Stand 2016, Bestand stabil7

  1. LC (aktuelle Einstufung)
  2. NT
  3. VU
  4. EN
  5. CR
  6. EW
  7. EX

Wie sieht der Grizzlybär aus?

Der Grizzlybär ist ein großer, kräftiger Bär mit einem Buckel über den Schultern. Sein Gesicht wirkt im Profil eingedellt, die Krallen der Vorderpfoten sind lang und wenig gebogen. Das Fell reicht von hellbraun bis fast schwarz. Die Deckhaare haben silberne oder goldene Spitzen, daher der Name. Männchen wiegen in den USA etwa 200 bis 300 kg, Weibchen 110 bis 160 kg.1

Der Name kommt vom englischen grizzled, grau meliert. Gemeint sind die langen, hell bereiften Haare an Schultern und Rücken.3 Die Farbe allein taugt aber nicht zur Bestimmung. Braunbären in Alaska reichen von dunkelbraun bis sehr hellblond.5

Männchen sind deutlich schwerer als Weibchen. In Kanada wiegen erwachsene Männchen etwa 180 bis 270 kg, Weibchen etwa 100 bis 150 kg. Männchen sind damit rund 1,8-mal so schwer.4 Im Yellowstone-Gebiet wiegt ein erwachsenes Männchen im Mittel 187 kg, ein Weibchen 122 kg. Das schwerste dort bekannte Männchen wog 324 kg, das schwerste Weibchen 198 kg.2

Für die Art Braunbär nennt das Animal Diversity Web eine Schulterhöhe von 90 bis 150 cm. Aufgerichtet erreicht ein Braunbär etwa 2,4 m.3 Die Bären an der Südküste Alaskas werden größer als die Grizzlys im Inland und im Norden.5

Wo lebt der Grizzlybär?

Der Grizzlybär lebt heute in Alaska, im Westen Kanadas und in wenigen Berggebieten im Nordwesten der USA. Die Rote Liste nennt für Nordamerika zwei Länder mit Braunbären: Kanada und die Vereinigten Staaten. In Mexiko ist die Art ausgestorben. Der Grizzly nutzt viele Lebensräume, vor allem im Gebirge. Er braucht Nahrung, Wasser, Deckung, sichere Rückzugsorte und Plätze für seine Winterhöhle.17

Früher war das Gebiet viel größer. Grizzlybären lebten in weiten Teilen des Westens der USA, im Westen Kanadas, in fast ganz Alaska und im Zentrum Mexikos. In großen Teilen der Wüsten und der Great Plains war er selten oder fehlte. Vor 1800 gab es schätzungsweise 50.000 Grizzlys in 18 westlichen Bundesstaaten der USA. Bis in die 1930er Jahre schrumpfte ihr Gebiet in den 48 zusammenhängenden Staaten auf etwa 2 Prozent.1

In den 48 zusammenhängenden Staaten der USA leben Grizzlys heute in diesen Gebieten:1

  • Großraum Yellowstone: Nordwesten Wyomings, Osten Idahos, Südwesten Montanas.
  • Northern Continental Divide: Norden Montanas.
  • Cabinet-Yaak: Nordwesten Montanas, Norden Idahos.
  • Selkirks: Norden Idahos, Nordosten Washingtons und angrenzendes British Columbia.

In den North Cascades und in den Bitterroot Mountains ist derzeit kein Bestand bekannt.1 Im Großraum Yellowstone bewohnen Grizzlys eine Fläche von etwa 58.000 km².2

In Kanada lebt der westliche Bestand in British Columbia, Alberta, Yukon, den Nordwest-Territorien, Nunavut, Saskatchewan und Manitoba. Er nutzt eine Fläche von etwa 3 Millionen km². Im Norden und Osten breitet er sich aus. Im Norden Québecs und in Labrador lebte früher ein eigener Bestand. Er ist ausgestorben, die letzte Beobachtung stammt von 1948.4

Wo der Grizzlybär beobachtet wird

Weltkarte: Gebiete, in denen der Grizzlybär seit 2000 beobachtet und gemeldet wurde. Dunklere Waben bedeuten mehr Meldungen.
Die Karte zeigt Meldungen von Beobachtungen aus den Jahren 2000-2026, nicht die Größe der Bestände. In Europa und Nordamerika melden mehr Menschen ihre Funde als anderswo. Daten: GBIF.org (4.654 Meldungen, abgerufen am 4.11.2026). Kartengrundlage: © OpenStreetMap-Mitwirkende, © OpenMapTiles.

Länder mit den meisten Meldungen

  • Vereinigte Staaten2.721
  • Kanada1.923

Was frisst der Grizzlybär?

Der Grizzlybär ist ein Allesfresser und nimmt, was die Jahreszeit bietet. Er frisst Beeren, Gräser, Wurzeln, Knollen, Samen, Pilze und Insekten. Dazu kommen Fische und Säugetiere, lebend oder als Aas. Im Großraum Yellowstone wiesen Fachleute über 260 verschiedene Nahrungsarten nach.1

Im Yellowstone-Gebiet sind Kadaver von Huftieren, Bäche mit laichenden Forellen und Ansammlungen von Nachtfaltern wichtige Nahrungsquellen.2 In Alaska fressen Braunbären Lachse, Beeren, Gräser, Seggen, Wurzeln, Ziesel und Aas. Vielerorts jagen sie auch Elche und Karibus, vor allem frisch geborene Kälber.5

In Kanada erbeuten Grizzlys in manchen Gebieten Huftiere wie Elch, Wapiti und Karibu. An der Pazifikküste fressen sie laichende Lachse, an der arktischen Küste tote Meeressäuger.4

Wo es sie gibt, nutzen Grizzlys auch Abfälle, Vieh und Feldfrüchte wie Getreide, Mais und Melonen. Vor der Winterruhe fressen sie zwei bis vier Monate lang besonders viel. So legen sie die Fettreserven für den Winter an.1

Wie lebt der Grizzlybär?

Der Grizzlybär lebt meist allein. Nur Mütter mit Jungen bleiben zusammen. An reichen Futterstellen wie Lachsflüssen treffen viele Bären aufeinander. Die Streifgebiete sind groß und überlappen sich stark. Im Winter ruht er vier bis sechs Monate in einer Höhle.13

Im Großraum Yellowstone nutzt ein Männchen im Mittel 874 km², ein Weibchen 281 km².2 In Kanada sind es im Mittel etwa 1.800 km² bei Männchen und 700 km² bei Weibchen.4

Der Geruchssinn ist hervorragend. Braunbären können einem verwesenden Kadaver über mehr als 3 km folgen. Das Gehör entspricht etwa dem des Menschen, die Augen sind eher schwach.3 Trotz des schwerfälligen Gangs ist der Grizzly schnell. Er erreicht 56 bis 64 km/h.2

Die Winterhöhle graben Grizzlys meist an steilen, hoch gelegenen Hängen, wo sich viel Schnee sammelt. Sie gehen zwischen Oktober und Dezember in die Höhle, Männchen meist später als Weibchen. Männchen kommen von Anfang März bis Ende April heraus, Weibchen mit Jungen erst von Mitte April bis Ende Mai.1

Ob das ein echter Winterschlaf ist, sehen die Quellen unterschiedlich. Die Körpertemperatur sinkt nur um wenige Grad, und die Bären wachen leicht auf. Deshalb spricht das Animal Diversity Web von keinem echten Winterschlaf.3 Der Yellowstone-Nationalpark zählt Grizzlys dagegen zu den echten Winterschläfern, nur mit flachem Winterschlaf.2 Herzschlag und Stoffwechsel sinken aber stark. In der Höhle fressen und trinken die Bären nicht und geben weder Kot noch Urin ab.5

Wie pflanzt sich der Grizzlybär fort?

Grizzlybären paaren sich von Mai bis Juli, am häufigsten Mitte Juni. Der Keim nistet sich erst im Spätherbst in der Gebärmutter ein. Die Jungen kommen Ende Januar oder Anfang Februar in der Winterhöhle zur Welt. Ein Wurf hat im Mittel etwa zwei Junge. Sie bleiben meist gut zwei Jahre bei der Mutter.1

Diese verzögerte Einnistung heißt Keimruhe. Das befruchtete Ei wächst erst etwa fünf Monate nach der Paarung weiter, meist im November. Die gesamte Tragzeit dauert so 180 bis 266 Tage.3 Im Yellowstone-Gebiet hat ein Wurf ein bis vier Junge, im Mittel 2,04.2

Die Jungen sind bei der Geburt blind, nackt und hilflos. Sie wiegen nur 340 bis 680 g. Mit drei Monaten wiegen sie etwa 15 kg, mit sechs Monaten etwa 25 kg.3 Die Jungen trinken drei bis vier Monate nur Milch, in der Höhle und danach. Dann fressen sie nach und nach, was die Mutter frisst.1

Zweijährige Junge verlassen die Mutter meist kurz nach dem Verlassen der Höhle.1 In Alaska bleiben Familien meist zwei bis drei Jahre zusammen. Weniger als die Hälfte der Jungen überlebt.5

Grizzlybären pflanzen sich so langsam fort wie kaum ein anderes Landsäugetier. Weibchen bekommen ihren ersten Wurf im Mittel mit 5,8 bis 6,3 Jahren. Zwischen zwei Würfen liegen im Mittel 2,8 bis 3,4 Jahre. Ein Weibchen braucht oft zehn Jahre oder mehr, um sich im Bestand selbst zu ersetzen.1

Ist der Grizzlybär gefährdet?

Weltweit nicht, regional schon. Die Weltnaturschutzunion IUCN bewertet nur die ganze Art Braunbär. Sie gilt als nicht gefährdet (Least Concern), mit stabilem Bestand von etwa 110.000 erwachsenen Tieren (Bewertung 2016). In den 48 zusammenhängenden Staaten der USA ist der Grizzly als bedroht (threatened) geschützt. In Kanada gilt der westliche Bestand als besonders schutzbedürftig.147

In den USA ging der Bestand durch Kopfgelder, Abschuss, Gift und Fallen stark zurück. 1975 lebten in den 48 zusammenhängenden Staaten nur noch etwa 700 bis 800 Grizzlys. Heute sind es mindestens 1.923. Davon leben 727 im Großraum Yellowstone und 1.092 im Gebiet Northern Continental Divide. Grizzlys zu verletzen, zu bedrängen oder zu töten ist dort verboten, außer zur Notwehr.1

Der kanadische Ausschuss für gefährdete Arten (COSEWIC) stufte den westlichen Bestand 2012 als besonders schutzbedürftig ein (Special Concern). Er umfasst etwa 26.000 Bären. Seit 1990 gilt er insgesamt als stabil. In Alberta und vielleicht in Teilen British Columbias und des Yukons nimmt er ab.4

Die wichtigsten Gefahren sind:14

  • Tötung durch Menschen: Jagd, Abschuss zum Schutz von Menschen und Besitz, Wilderei, Zusammenstöße mit Autos und Zügen.
  • Straßen und Wege, die Menschen in die Lebensräume bringen.
  • Siedlungen, in deren Nähe mehr Bären sterben.
  • Ungesicherte Abfälle und Lebensmittel sowie Konflikte mit Viehhaltern.
  • Kleine, voneinander getrennte Bestände am Südrand des Gebiets.

Im Großraum Yellowstone gehen 85 Prozent der Todesfälle auf Menschen zurück.2

Wie ist der Grizzlybär verwandt?

Der Grizzlybär ist eine Unterart des Braunbären (Ursus arctos). Er gehört zur Gattung Ursus in der Familie der Bären. George Ord beschrieb den Grizzly 1815. Vom Amerikanischen Schwarzbären, der im selben Gebiet lebt, unterscheidet er sich durch den Schulterbuckel, das eingedellte Gesichtsprofil und die längeren, weniger gebogenen Vorderkrallen.18

In Alaska gelten alle Braunbären des Festlands als Ursus arctos horribilis. Die Kodiakbären auf den Inseln des Kodiak-Archipels bilden eine eigene Unterart (Ursus arctos middendorffi). Sie sind seit etwa 12.000 Jahren isoliert.5

Die Namen Grizzly und Braunbär bezeichnen dieselbe Art. In Alaska heißen meist die großen Bären der Südküste Braunbären, die Bären im Inland und im Norden Grizzlys.5

Grizzlybär und Mensch

Grizzlys geraten oft mit Menschen in Konflikt. Sie fressen Abfälle, Vieh und Feldfrüchte, wenn diese leicht erreichbar sind. Wege für Fahrzeuge bringen Menschen in ihre Gebiete. Die Bären gewöhnen sich dann an Menschen, und das Risiko steigt, dass sie durch Menschen sterben. In den USA sollen Besucher Lebensmittel und Abfälle deshalb bärensicher aufbewahren.1 In Kanada sterben in der Nähe von Straßen und Siedlungen mehr Grizzlys.4

Die meisten Grizzlys sterben durch Menschen. Im Yellowstone-Gebiet gehen 85 Prozent der Todesfälle auf menschliche Ursachen zurück, nur 15 Prozent auf natürliche.2 In Kanada ist der Grizzly in einigen Gebieten jagdbar. Die Jagd zählt dort zu den Todesursachen, die COSEWIC nennt.4

Wie groß ist der Grizzlybär im Vergleich?

Grizzlybär: bis 1,5 m (Schulterhöhe (Höchstwert der Art Braunbär))3

Erwachsener Mensch (rund 1,75 m)

Beide Balken im selben Maßstab.

Was der Grizzlybär im Lauf des Jahres macht

ZeitraumJanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Paarungszeit1Januar: neinFebruar: neinMärz: neinApril: neinMai: jaJuni: jaJuli: jaAugust: neinSeptember: neinOktober: neinNovember: neinDezember: nein
Geburt der Jungen12Januar: jaFebruar: jaMärz: neinApril: neinMai: neinJuni: neinJuli: neinAugust: neinSeptember: neinOktober: neinNovember: neinDezember: nein
Winterruhe (Yellowstone)2Januar: jaFebruar: jaMärz: jaApril: jaMai: neinJuni: neinJuli: neinAugust: neinSeptember: neinOktober: neinNovember: jaDezember: ja

Mit welchen Tieren der Grizzlybär verwechselt wird

  • Amerikanischer Schwarzbär

    Ohne Schulterbuckel, mit geradem Gesichtsprofil und kürzeren, stärker gebogenen Vorderkrallen. Die Fellfarbe taugt nicht zur Unterscheidung.

Häufige Fragen und Antworten: Grizzlybär

Wie schwer wird ein Grizzlybär?

Männchen wiegen in den USA etwa 200 bis 300 kg, Weibchen 110 bis 160 kg. Das schwerste bekannte Männchen im Yellowstone-Gebiet wog 324 kg.12

Wie alt wird ein Grizzlybär?

Wilde Grizzlys werden meist etwa 25 Jahre alt, einzelne über 35 Jahre. Der älteste bekannte Braunbär im Zoo wurde 40 Jahre alt.16

Wie schnell ist ein Grizzlybär?

Ein Grizzly erreicht 56 bis 64 km/h.2

Wie viele Grizzlybären gibt es noch?

In Kanada leben etwa 26.000 Grizzlys, in den 48 zusammenhängenden Staaten der USA mindestens 1.923. Dazu kommen die Bären in Alaska.14

Halten Grizzlybären Winterschlaf?

Sie ruhen vier bis sechs Monate in einer Höhle. Die Körpertemperatur sinkt dabei nur um wenige Grad. Ob das als echter Winterschlaf gilt, sehen Fachleute unterschiedlich.123

Ist ein Grizzly ein Braunbär?

Ja. Der Grizzly ist eine Unterart des Braunbären und gehört zur selben Art Ursus arctos.15

Quellen

  1. 1.U.S. Fish and Wildlife Service: Grizzly Bear (Ursus arctos horribilis)
  2. 2.National Park Service, Yellowstone National Park: Yellowstone Grizzly Bear Facts
  3. 3.Animal Diversity Web, University of Michigan Museum of Zoology: Ursus arctos (brown bear)
  4. 4.COSEWIC, Government of Canada, Species at Risk Public Registry (2012): Grizzly Bear (Ursus arctos): COSEWIC assessment and status report 2012
  5. 5.Alaska Department of Fish and Game: Brown Bear Species Profile
  6. 6.AnAge, Human Ageing Genomic Resources: Brown bear (Ursus arctos) longevity, ageing, and life history
  7. 7.IUCN (McLellan, B.N., Proctor, M.F., Huber, D. & Michel, S.) (2017): Ursus arctos (amended version of 2017 assessment). The IUCN Red List of Threatened Species 2017: e.T41688A121229971
  8. 8.Global Biodiversity Information Facility (GBIF): Ursus arctos horribilis Ord, 1815, GBIF Backbone Taxonomy

Aktualisiert am 6. November 2026