Okapi (Okapia johnstoni)

Säugetiere, Familie Giraffenartige, Gefährdung: stark gefährdet

Aktualisiert am . Mit 15 Quellen. So entstehen unsere Tierprofile

Okapi
Der Okapi (Okapia johnstoni) in seinem typischen Lebensraum (KI Generiert)

Das Okapi in Kürze

Das Okapi (Okapia johnstoni) ist ein scheuer Paarhufer aus der Familie der Giraffenartigen. Es lebt nur in den Regenwäldern der Demokratischen Republik Kongo. Besonders sind das samtige, dunkelbraune Fell mit weiß gestreiften Beinen und die lange, bläuliche Zunge, mit der es Blätter abstreift und sich putzt. Die IUCN stuft es als stark gefährdet ein.14511

Steckbrief: Okapi

Körperlängeetwa 2,5 m4
SchulterhöheMännchen 140 bis 155 cm, Weibchen 142 bis 159 cm4
Schwanzlänge30 bis 42 cm4
GewichtMännchen 180 bis 260 kg, Weibchen 240 bis 356 kg4
Lebenserwartung Wildniskaum erforscht2
Lebenserwartung Zooim Mittel (Median) etwa 17 Jahre, Höchstalter 33,5 Jahre812
NahrungBlätter, Knospen, Zweige, Früchte, Farne und Pilze von rund 100 Pflanzenarten27
Aktivitätvor allem am Vormittag und späten Nachmittag, auch in den ersten Nachtstunden6
LebensweiseEinzelgänger, nur etwa 10 Prozent der Zeit mit Artgenossen6
Heimisch in (1 Land)Demokratische Republik Kongo1
Ausgestorben in (1 Ländern)Uganda1
Gefährdung

stark gefährdet (EN) laut Roter Liste der IUCN, Stand 2015, Bestand abnehmend1

  1. LC
  2. NT
  3. VU
  4. EN (aktuelle Einstufung)
  5. CR
  6. EW
  7. EX

Wie sieht das Okapi aus?

Das Okapi ist ein großer Paarhufer mit samtigem, dunkelbraunem bis fast purpurfarbenem Fell. Hinterteil, Oberschenkel und die Oberseite der Vorderbeine tragen waagerechte weiße und schwarze Streifen, die Unterbeine sind weiß. Es misst etwa 2,5 m Körperlänge und bis 159 cm Schulterhöhe. Hals und Beine sind viel kürzer als bei der Giraffe.411

Weibchen sind größer und schwerer als Männchen. Sie wiegen 240 bis 356 kg, Männchen 180 bis 260 kg. Weibchen sind mit 142 bis 159 cm Schulterhöhe auch etwas höher.2411

Nur Männchen tragen kurze Hörner. Diese Ossikone, also mit Haut überzogene Knochenzapfen, sind bis auf die Spitzen behaart und werden nie abgeworfen. Weibchen haben an ihrer Stelle meist nur Haarwirbel oder kleine Höcker.411

Wangen, Kehle und der hintere Bauch sind hell, die Schnauze ist schwarz. Die Haare der weißen Streifen sind länger als die dunklen. Vermutlich helfen die hellen Partien den Tieren, einander im dunklen Wald zu folgen. Die Haut gibt ein Öl ab, das das Fell wasserabweisend macht.2413

Die Zunge ist lang, beweglich und dunkel bläulich. Das Okapi kann sie rund 25 cm aus dem Maul strecken. Damit putzt es sich auch Augen, Ohren und Nasenlöcher. Die Ohren sind groß und das Gehör gut, die Augen dagegen schwach. Zwischen den Zehen aller vier Füße liegen Duftdrüsen.4

Wo lebt das Okapi?

Das Okapi lebt nur in einem einzigen Land: der Demokratischen Republik Kongo. Dort bewohnt es geschlossene, hohe Regenwälder zwischen 450 und 1.500 m Höhe, im Norden, in der Mitte und im Osten des Landes. In Uganda ist es laut Roter Liste ausgestorben.125

Die meisten Okapis leben in den Wäldern von Ituri, Aruwimi und Nepoko. Weitere Vorkommen gibt es in den oberen Becken von Lindi, Maiko und Tshopo sowie in der Region Rubi-Tele. Wichtige Schutzgebiete sind das Okapi-Wildreservat und der Maiko-Nationalpark.5911

Das Okapi braucht dichten Wald. Es lebt in ursprünglichem Regenwald und in älterem nachgewachsenem Wald. Galeriewälder und Waldinseln in der Savanne meidet es, ebenso gestörte Flächen rund um Dörfer. Zeitweise überflutete Böden nutzt es, dauerhaft nasse Sümpfe nicht.5

Gern frisst es an Stellen, an denen ein Baum umgestürzt ist. Dort fällt Licht auf den Boden, und junge Pflanzen wachsen schnell nach.57

Wo das Okapi beobachtet wird

Länder mit den meisten Meldungen

  • Kongo-Kinshasa4
  • Deutschland1

Was frisst das Okapi?

Das Okapi ist ein wählerischer Pflanzenfresser und Wiederkäuer. Es frisst Blätter, Knospen und Zweige, dazu Früchte, Samen, Farne und Pilze. Insgesamt nutzt es rund 100 Pflanzenarten, von den vorhandenen Pflanzen aber nur einen kleinen Teil. Bevorzugt nimmt es schnell wachsende Baumsämlinge, Sträucher und Lianen.27

Die Blätter streift es mit der langen Greifzunge von den Zweigen, ähnlich wie die Giraffe. Eine schmale Schnauze und bewegliche Lippen helfen beim Aussuchen. Manche Futterpflanzen sind für Menschen giftig.2711

Geeignete Pflanzen sind im Wald weit verstreut und nur zeitweise zu finden. Darum muss das Okapi viel umherziehen.7

Mineralstoffe holt es sich aus schwefelhaltigem Ton. Außerdem frisst es Holzkohle von verbrannten Bäumen und Fledermauskot aus hohlen Stämmen.2711

Wie die Giraffe hat das Okapi keine Gallenblase. Im Zoo frisst ein Tier täglich 4,3 bis 5,0 kg Futter, gerechnet als Trockenmasse.7

Wie lebt das Okapi?

Das Okapi ist ein scheuer Einzelgänger. Nur etwa 10 Prozent seiner Zeit verbringt es mit Artgenossen, Gruppen aus mehr als drei Tieren wurden nur in Zoos beobachtet. Es frisst vor allem am Vormittag und am späten Nachmittag. Auch in den ersten Nachtstunden ist es unterwegs, am meisten bei Mondlicht.6

Ein Weibchen bleibt meist in einem festen Streifgebiet und läuft am Tag bis 2,5 km. Männchen streifen weiter umher und legen bis 4 km am Tag zurück. Die Gebiete überlappen sich, Nachbarn gehen sich aber meist aus dem Weg. 30 bis 50 Prozent des Tages ruht das Okapi.26

Okapis verständigen sich vor allem über Gerüche. Die Drüsen an den Füßen hinterlassen Duft auf niedrigen Pflanzen. Die Tiere markieren außerdem mit Urin und Kot und reiben den Hals an Bäumen. Weibchen nutzen gemeinsame Kotstellen.26

Laute sind selten. Bei Begegnungen schnauben Okapis leise. Jungtiere rufen mit einem Blöken nach der Mutter, Männchen stöhnen bei der Balz. Die Laute enthalten Infraschall, also Töne unterhalb der menschlichen Hörgrenze. Okapis können solche Töne auch hören.46

Im Rang zeigen sich Okapis über die Haltung. Ein dominantes Tier hebt Kopf und Hals, ein unterlegenes senkt sie. Rivalisierende Männchen stoßen mit Hals und Kopf gegeneinander. Im Passgang erreicht das Okapi etwa 16 km/h, im Galopp bis 56 km/h.26

Wichtigster Fressfeind erwachsener Okapis ist der Leopard. Jungtiere werden auch von Servalen und Goldkatzen erbeutet.6

Wie pflanzt sich das Okapi fort?

Das Okapi hat keine feste Paarungszeit. Ein Weibchen wird etwa alle 15 Tage empfängnisbereit, oft unregelmäßig. Die Tragzeit dauert rund 440 Tage, also etwa 14 Monate. Meist kommt ein einziges Junges zur Welt. Es wiegt bei der Geburt 14 bis 30 kg.238

Vor der Paarung beschnuppern sich Männchen und Weibchen, kreisen umeinander und prüfen den Urin des anderen. Männchen kümmern sich nicht um die Jungen.28

Die Mutter bringt das Junge meist im Stehen zur Welt. Etwa 30 Minuten nach der Geburt steht es. In den ersten 2 Monaten liegt es rund 80 Prozent der Zeit in einem Versteck im Dickicht. Bis Ende des ersten Monats verdoppelt es sein Gewicht.28

Ab der 3. Woche nimmt das Junge feste Nahrung auf, ab der 6. Woche käut es wieder. Mit etwa 6 Monaten wird es entwöhnt, manche Jungtiere saugen aber noch über ein Jahr. Mit etwa 3 Jahren ist es ausgewachsen.8

Im Zoo werden Weibchen mit etwa 1 Jahr und 7 Monaten geschlechtsreif, Männchen mit etwa 2 Jahren und 2 Monaten. Das mittlere Alter im Zoo liegt bei 17 Jahren, das höchste bekannte bei 33,5 Jahren. Wie alt Okapis in der Wildnis werden, ist kaum bekannt.2812

Ist das Okapi gefährdet?

Ja. In ihrer Bewertung von 2015 stuft die IUCN das Okapi als stark gefährdet (Endangered) ein, der Bestand nimmt ab. Hauptursachen sind Wilderei für Fleisch und Felle, Holzeinschlag, Bergbau, Siedlungen und bewaffnete Konflikte. Im Kongo ist das Okapi gesetzlich voll geschützt, im Welthandel steht es in Anhang I des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES).139

Wie viele Okapis es gibt, weiß niemand genau. Schätzungen reichen von unter 4.500 bis zu einigen Zehntausend Tieren. Im Okapi-Wildreservat sollen etwa 5.000 Okapis leben.91113

Fachleute schätzen den Rückgang auf über 50 Prozent in drei Generationen, also in 24 Jahren. Weitere Verluste werden erwartet. Im Okapi-Wildreservat sank der Bestand laut einem Bericht von 2008 um 43 Prozent.19

Wilderer fangen Okapis oft in Drahtschlingen, auch als Beifang. In Gebieten mit viel Schlingenjagd ist der Bestand stark eingebrochen. Bewaffnete Gruppen behindern Zählungen und Schutzarbeit. 2012 töteten Angreifer im Hauptquartier des Reservats 7 Menschen und alle 14 dort gehaltenen Okapis.911

Seit 1933 ist das Okapi offiziell geschützt. Das Okapi-Wildreservat wurde 1992 gegründet, umfasst 13.700 km² und ist seit 1996 UNESCO-Welterbe. Seit 2016 gibt es eine weltweite Schutzstrategie für die Art.913

Wie ist das Okapi verwandt?

Das Okapi gehört zur Familie der Giraffenartigen (Giraffidae). Außer den Giraffen ist es das einzige heute lebende Mitglied dieser Familie. Die Giraffe gilt daher als sein nächster Verwandter. Gemeinsam haben beide die Ossikone, die lange Greifzunge und das Fehlen der Gallenblase. Unterarten führen die ausgewerteten Fachquellen nicht.471011

Die Art wurde 1901 von P. L. Sclater wissenschaftlich beschrieben. Der Artname ehrt den britischen Forscher Sir Harry Johnston. Er schickte 1901 die ersten Fellstücke an das British Museum. Wegen der Ähnlichkeit mit Pferden und Zebras stellte man das Okapi zunächst in die Pferdegattung Equus.2101114

Der Name Okapi geht vermutlich auf das Wort O'Api der Pygmäen zurück. Die Wambuti nennen das Tier Atti.10

Die Familie der Giraffenartigen entstand vor etwa 15 bis 12 Millionen Jahren. Vor rund 2 Millionen Jahren lebte im heutigen Tansania eine ausgestorbene Okapi-Art. Einige Forscher sehen wegen Unterschieden in Skelett und Fortpflanzungsorganen eine Nähe zur Nilgauantilope, doch diese Sicht ist umstritten.10

Ungewöhnlich ist das Erbgut. Statt der üblichen 46 Chromosomen haben manche Okapis nur 45 oder 44. Bei anderen Tieren wäre das meist schädlich.4

Okapi und Mensch

Das Okapi ist ein Nationalsymbol der Demokratischen Republik Kongo. Es erscheint auf Banknoten und auf den Abzeichen der Wildhüter. Für den Schutz des Ituri-Waldes dient es als Leitart.915

Seit 1952 gibt es in Epulu im Ituri-Wald eine Zuchtstation für Okapis, die älteste ihrer Art. Seit 1987 arbeitet das Okapi Conservation Project vor Ort und bildet Menschen aus den Dörfern zu Wildhütern aus. Der Welt-Okapi-Tag ist am 18. Oktober.913

Das Okapi gilt als die letzte große Säugetierart, die in Afrika entdeckt wurde. Bis 2008 gab es kein Foto eines Okapis in freier Wildbahn. Damals gelangen im Virunga-Nationalpark die ersten Bilder mit Kamerafallen.913

Wie groß ist das Okapi im Vergleich?

Okapi: bis 2,5 m (Körperlänge)4

Erwachsener Mensch (rund 1,75 m)

Beide Balken im selben Maßstab.

Mit welchen Tieren das Okapi verwechselt wird

  • Zebra

    Das Okapi trägt Streifen nur an Hinterteil und Beinen, der übrige Körper ist einfarbig dunkelbraun.

Häufige Fragen und Antworten: Okapi

Ist das Okapi mit dem Zebra verwandt?

Nein. Trotz der gestreiften Beine gehört das Okapi zu den Giraffenartigen, sein nächster Verwandter ist die Giraffe. Nur anfangs stellte man es in die Pferdegattung.211

Wie viele Okapis gibt es noch?

Das weiß niemand genau. Schätzungen reichen von unter 4.500 bis zu einigen Zehntausend Tieren, und der Bestand nimmt ab.1911

Wie alt wird ein Okapi?

Im Zoo liegt das mittlere Alter bei etwa 17 Jahren, das höchste bekannte bei 33,5 Jahren. Für wilde Okapis fehlen verlässliche Daten.2812

Wie lang ist die Zunge eines Okapis?

Das Okapi kann seine dunkel bläuliche Zunge rund 25 cm aus dem Maul strecken. Je nach Quelle wird sie insgesamt über 30 cm lang.2413

Ist das Okapi tagaktiv oder nachtaktiv?

Beides. Es frisst vor allem am Vormittag und am späten Nachmittag, ist aber auch in den ersten Nachtstunden unterwegs. Früher hielt man es für nachtaktiv.6

Quellen

  1. 1.IUCN (Mallon, D., Kümpel, N., Quinn, A. et al.) (2015): Okapia johnstoni. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T15188A51140517
  2. 2.Animal Diversity Web, University of Michigan Museum of Zoology (Aguilar, B.) (2020): Okapia johnstoni (okapi)
  3. 3.San Diego Zoo Wildlife Alliance Library: Okapi (Okapia johnstoni) Fact Sheet
  4. 4.San Diego Zoo Wildlife Alliance Library: Okapi Fact Sheet: Physical Characteristics
  5. 5.San Diego Zoo Wildlife Alliance Library: Okapi Fact Sheet: Distribution & Habitat
  6. 6.San Diego Zoo Wildlife Alliance Library: Okapi Fact Sheet: Behavior & Ecology
  7. 7.San Diego Zoo Wildlife Alliance Library: Okapi Fact Sheet: Diet & Feeding
  8. 8.San Diego Zoo Wildlife Alliance Library: Okapi Fact Sheet: Reproduction & Development
  9. 9.San Diego Zoo Wildlife Alliance Library: Okapi Fact Sheet: Population & Conservation Status
  10. 10.San Diego Zoo Wildlife Alliance Library: Okapi Fact Sheet: Taxonomy & History
  11. 11.Encyclopaedia Britannica (2026): Okapi
  12. 12.Human Ageing Genomic Resources (AnAge): AnAge entry for Okapia johnstoni
  13. 13.Zoologischer Garten Berlin AG, Tierpark Berlin (2024): Rückkehr der gestreiften Legende: Okapis zurück im Tierpark Berlin (Pressemitteilung)
  14. 14.Global Biodiversity Information Facility (GBIF): Okapia johnstoni (P.L.Sclater, 1901), GBIF Backbone Taxonomy
  15. 15.Okapi Conservation Project: The Okapi

Aktualisiert am 6. November 2026