Schlangen (Serpentes)

Reptilien, Gefährdung: nicht bewertet

Aktualisiert am . Mit 13 Quellen. So entstehen unsere Tierprofile

Schlangen (Serpentes)
Schlangen (Serpentes) in seinem typischen Lebensraum (KI Generiert)

Die Schlangen in Kürze

Schlangen (Serpentes) sind eine Unterordnung der Schuppenkriechtiere mit rund 4.250 Arten. Sie haben keine Beine, einen sehr langen Körper und keine beweglichen Augenlider. Sie leben auf allen Kontinenten außer der Antarktis. Alle Schlangen jagen andere Tiere und schlucken ihre Beute im Ganzen. Rund 700 Arten sind giftig. In Deutschland sind 7 Arten heimisch.141011

Steckbrief: Schlangen

Artenzahl4.249 Arten (Stand Juni 2026)1
Familien32 in der Gliederung der Reptile Database2
Körperlängevon etwa 10 cm bis über 7 m6
Schwerste ArtGroße Anakonda, bis 227 kg10
Nahrungnur Tiere, Beute wird im Ganzen geschluckt410
Giftige Artenrund 700, davon gut 200 für Menschen tödlich4
Fortpflanzungeierlegend oder lebendgebärend, je nach Art6
Lebenserwartungbei manchen Arten bis 40 Jahre10
Arten in Deutschland7, davon 2 giftig11
Verbreitungalle Kontinente außer der Antarktis10
Gefährdung

nicht bewertet (NE), Bestand unbekannt12

Wie sehen Schlangen aus?

Schlangen haben keine Beine und einen stark verlängerten Körper mit langem Schwanz. Anders als Eidechsen haben sie keine beweglichen Augenlider und keine äußeren Ohröffnungen. Ein durchsichtiger Hautdeckel schützt das Auge. Er wird bei jeder Häutung mit abgestreift. Der Körper ist mit Schuppen bedeckt, die Bauchseite meist mit breiten Schilden.478

Die Größe schwankt enorm. Erwachsene Tiere einer Schlankblindschlange von Barbados (Tetracheilostoma carlae, früher Leptotyphlops carlae) werden im Mittel nur 10 cm lang. Der Netzpython erreicht über 7 m, ein Tier von Sulawesi soll 1912 sogar 10 m gemessen haben. Die schwerste Schlange ist die Große Anakonda mit bis zu 227 kg.3610

Bei einigen Familien, etwa Boas und Pythons, stecken noch Reste von Becken und Oberschenkel im Körper. Zur Fortbewegung dienen sie keiner Schlange mehr. Die Wirbelsäule hat mehr Wirbel als bei jedem anderen lebenden Tier: 100 bis 450 Rumpfwirbel und 10 bis 205 Schwanzwirbel. An jedem Rumpfwirbel sitzt ein Rippenpaar.7

Auch innen ist der Körper umgebaut. Die Organe sind in die Länge gezogen. Die linke Lunge ist stark verkleinert oder fehlt ganz. Eine Harnblase fehlt. Neu entwickelt haben Schlangen eine zusätzliche Lunge an der Luftröhre im Halsbereich.48

Die Körperform verrät oft die Lebensweise. Baumschlangen sind besonders schlank, ihr Schwanz macht fast die Hälfte der Länge aus. Grabende Blindschlangen sind klein und haben fast keinen Schwanz. Seeschlangen haben einen flachen Ruderschwanz und kommen an Land kaum voran. Musterungen aus Flecken und Bändern tarnen die meisten Arten. Einige, wie die Korallenottern, tragen dagegen auffällige Warnfarben.7

Wo leben Schlangen?

Schlangen leben auf allen Kontinenten außer der Antarktis. Sie besiedeln offene Meere, Flüsse, Wälder, Grasland und Wüsten. In Gebirgen wurden sie in über 3.000 m Höhe nachgewiesen. Die Lebensräume sind so verschieden, dass sich kaum allgemeine Aussagen über die Lebensweise der Schlangen machen lassen.410

In den feuchten Tropen bleibt die Temperatur das ganze Jahr nahe am günstigen Bereich. Dort sind Konkurrenz und Fressfeinde die größten Probleme. In kalten Regionen dagegen bedrohen Hitze, Frost und Austrocknung die Tiere. Die Kreuzotter lebt in Europa bis nördlich des Polarkreises und ist dort die einzige Schlange.4

In Deutschland sind sieben Schlangenarten heimisch: Kreuzotter, Aspisviper, Östliche Ringelnatter, Barren-Ringelnatter, Würfelnatter, Schlingnatter und Äskulapnatter. Ringelnattern sind weit verbreitet und leben oft nahe am Wasser. Die Aspisviper kommt nur noch an einer Stelle im Südschwarzwald vor, auf etwa 270 ha. Die Würfelnatter lebt nur an wenigen Flüssen in Rheinland-Pfalz und in einer wieder angesiedelten Gruppe an der Elbe bei Meißen.11

Was fressen Schlangen?

Alle Schlangen sind Räuber. Je nach Art fressen sie Säugetiere, Vögel, Fische, Frösche, Insekten oder andere Schlangen. Manche fressen nur Vogeleier. Die Beute wird im Ganzen geschluckt. Meist fressen Schlangen ein Beutetier und ruhen danach. Eine große Mahlzeit kann für Tage, Wochen oder Monate reichen.910

Möglich macht das ein sehr beweglicher Schädel. Nur die Hirnkapsel ist fest. Die übrigen Knochen hängen an Bändern und Muskeln. So schluckt eine Schlange Beute, die mehrfach so dick ist wie ihr Kopf. Boas und Pythons schieben dabei die vier Kieferhälften nacheinander vor, als würden sie über die Beute laufen. Die nach hinten gebogenen Zähne lassen die Beute nur in Richtung Schlund rutschen.8

Zum Töten gibt es zwei Hauptwege. Fast alle Boas und viele Nattern umschlingen die Beute. Die Schlingen ziehen sich zu, bis das Tier nicht mehr atmen kann. Knochen brechen dabei nur selten. Giftschlangen spritzen über Giftzähne ein Gift aus umgebildeten Speicheldrüsen. Vipern haben lange, hohle Giftzähne, Giftnattern wie die Kobras kurze, fest stehende.9

Manche Arten sind spezialisiert. Eierfressende Schlangen knacken die Schale mit Fortsätzen an den Halswirbeln und würgen sie wieder aus. Schneckenfressende Schlangen ziehen die Schnecke mit dem Unterkiefer aus dem Gehäuse.79

Wie leben Schlangen?

Schlangen sind meist Einzelgänger. Die meiste Zeit ruhen sie. Sie wärmen sich in der Sonne, kühlen sich ab oder warten auf Beute. Gemeinsam treten sie fast nur im Winterquartier und zur Paarung auf. Gemeinsame Jagd ist nicht bekannt. Reviere oder eine feste Rangordnung sind nicht bekannt.45

Ihre Umgebung nehmen Schlangen vor allem über Geruch wahr. Die gespaltene Zunge nimmt Duftstoffe auf und bringt sie zum Jacobsonschen Organ, einem Riechorgan im Gaumendach. Keine Schlange hat dieses Organ verloren. Es dient zum Verfolgen von Beute, zum Erkennen von Feinden und zur Partnersuche. Grubenottern sowie manche Boas und Pythons haben zusätzlich Wärmegruben. Mit ihnen orten sie warmblütige Beute.89

Tagaktive Schlangen haben meist runde Pupillen, nachtaktive oft senkrechte Schlitzpupillen. Ein äußeres Ohr fehlt. Schall nehmen Schlangen über die Schädelknochen auf, vor allem tiefe Töne und Erschütterungen des Bodens.48

Schlangen bewegen sich auf vier Arten fort: in Schlängelbewegung, ziehharmonikaartig, geradlinig wie eine Raupe und im Seitenwinden. In kalten Gebieten überwintern sie in frostsicheren Verstecken. Gute Winterquartiere werden über Generationen genutzt, oft von mehreren Arten zugleich. In den Tropen halten manche Schlangen in der Trockenzeit eine kurze Ruhe.45

Schlangen häuten sich ihr Leben lang. Erwachsene Tiere häuten sich etwa zwei- bis viermal im Jahr, Jungtiere im ersten Jahr öfter. Kurz vorher trüben sich die Augen milchig blau.410

Wie pflanzen sich Schlangen fort?

Bei Schlangen werden die Eier im Körper des Weibchens befruchtet. In kalten Gebieten paaren sich viele Arten direkt nach dem Winterquartier, andere kurz davor. Die Weibchen mancher Arten speichern das Sperma mehrere Jahre. Viele Schlangen legen Eier mit ledriger Schale. Andere behalten die Eier im Körper und bringen lebende Junge zur Welt.568

Männchen haben zwei Begattungsorgane, die Hemipenes. Vor der Paarung reibt das Männchen den Körper am Weibchen. Rivalisierende Männchen mancher Arten tragen Kommentkämpfe aus. Dabei richten sie die verschlungenen Vorderkörper auf, bis einer den anderen zu Boden drückt.58

Eierlegende Arten legen meist 2 bis 16 Eier, manche 50 und mehr. Viele Weibchen legen das Gelege an einem warmen, feuchten Ort ab und verlassen es. Einige bleiben beim Gelege, und ganz wenige brüten: Sie halten ihren Körper wärmer als die Umgebung.610

Jungschlangen schneiden sich mit einem Eizahn auf der Oberlippe aus dem Ei oder der Eihülle. Sie sind sofort selbstständig. Junge Giftschlangen haben schon funktionierende Giftzähne. Viele Schlangen werden mit etwa zwei Jahren geschlechtsreif, große Arten erst nach vier bis fünf Jahren oder später. Schlangen wachsen ihr Leben lang weiter, nach der Geschlechtsreife aber langsamer.6

Sind Schlangen gefährdet?

Für Schlangen als Ganzes gibt es keine Einstufung, die Weltnaturschutzunion IUCN bewertet einzelne Arten. Eine weltweite Auswertung von 2022 ergab: 21,1 % aller untersuchten Reptilienarten sind bedroht, bei den Schuppenkriechtieren 19,6 %. Besonders bedroht sind unter den Schlangen die Schildschwänze (61,1 %) und die Zwergboas der Familie Tropidophiidae (60,0 %).12

Hauptgründe sind die Zerstörung von Lebensräumen durch Landwirtschaft, Holzeinschlag und Siedlungsbau sowie eingeschleppte Arten. Bei Schuppenkriechtieren steht die Landwirtschaft an erster Stelle. Die Pilzkrankheit Ophidiomyces ophiodiicola befällt Schlangen. Außerhalb Nordamerikas ist sie aber kaum untersucht.12

Hinzu kommt der Handel. Häute von sechs Arten, vor allem Pythons und Warzenschlangen, werden regelmäßig gehandelt. Für den Heimtiermarkt werden Hunderttausende lebende Schlangen gefangen. Allein in die USA kommen jedes Jahr fast 100.000 Königspythons und 30.000 Abgottschlangen. Ausgesetzte Tiere können Schaden anrichten: Dunkle Tigerpythons haben in den Everglades in Florida die kleinen Säugetiere stark dezimiert.4

In Deutschland sind alle sieben Schlangenarten geschützt. Die Rote Liste von 2020 führt Aspisviper und Würfelnatter als vom Aussterben bedroht, Kreuzotter und Äskulapnatter als stark gefährdet. Beide Ringelnattern und die Schlingnatter gelten als gefährdet. Bei der Kreuzotter sind die Bestände bundesweit stark zurückgegangen.11

Wie sind Schlangen verwandt?

Schlangen gehören mit den Echsen zur Ordnung der Schuppenkriechtiere (Squamata). Sie stammen von Echsen ab und haben im Lauf der Evolution Beine und andere Strukturen verloren. Der Bau ihrer Augen spricht dafür, dass ihre Vorfahren im Boden gegraben haben. Die ältesten Schlangen lebten wohl schon im mittleren Jura.48

Das älteste bekannte Schlangenfossil heißt Eophis underwoodi. Die kleine Schlange lebte vor etwa 167 Millionen Jahren im heutigen Südengland.4

Die Reptile Database teilt die Schlangen in 32 Familien. Eine Abfrage am 4. November 2026 ergab für die größten Familien diese Artenzahlen23:

FamilieBeispieleArten
Colubridae (Nattern)Ringelnatter, Äskulapnatter2.210
Typhlopidae (Blindschlangen)grabende Arten428
Elapidae (Giftnattern)Kobras, Mambas, Seeschlangen414
Viperidae (Vipern)Kreuzotter, Klapperschlangen412
Leptotyphlopidae (Schlankblindschlangen)sehr kleine Grabschlangen144
Boidae (Boas)Abgottschlange, Anakondas67
Pythonidae (Pythons)Netzpython, Tigerpython38

Im Juni 2026 zählte die Reptile Database 4.249 Schlangenarten unter insgesamt 12.650 Reptilienarten.1

Schlangen und Mensch

Nur ein kleiner Teil der Schlangen ist gefährlich. Rund 700 Arten sind mehr oder weniger giftig, gut 200 davon können einen Menschen töten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt 5,4 Millionen Schlangenbisse im Jahr. Daran sterben 81.410 bis 137.880 Menschen. Die meisten Bisse geschehen in Afrika, Asien und Lateinamerika.413

Etwa dreimal so viele Menschen behalten nach einem Biss eine Amputation oder eine andere bleibende Behinderung. Seit Juni 2017 führt die WHO Schlangenbissvergiftungen als vernachlässigte Tropenkrankheit mit höchster Priorität. Bis 2030 sollen Todesfälle und Behinderungen um die Hälfte sinken.13

Etwa 40 % der Bisse an Menschen sind Abwehrbisse ohne Gift. Die meisten Bisse passieren, wenn Menschen Schlangen fangen, halten oder töten wollen. In Deutschland sind nur Kreuzotter und Aspisviper giftig. Einsätze wegen angeblich gefährlicher Schlangen enden oft bei einer harmlosen Ringelnatter oder einer Blindschleiche.411

Mit welchen Tieren die Schlangen verwechselt werden

  • Blindschleiche

    beinlose Echse mit beweglichen Augenlidern und mehreren Längsreihen kleiner Schuppen auf dem Bauch; Schlangen haben unbewegliche Augen und nur eine Reihe breiter Bauchschilde

Häufige Fragen und Antworten: Schlangen

Wie viele Schlangenarten gibt es?

Die Reptile Database zählte im Juni 2026 4.249 Schlangenarten.1

Welche Giftschlangen gibt es in Deutschland?

Von den sieben heimischen Schlangenarten sind nur Kreuzotter und Aspisviper giftig. Die Aspisviper lebt nur noch im Südschwarzwald.11

Können Schlangen hören?

Schlangen haben kein äußeres Ohr. Über die Schädelknochen nehmen sie aber Erschütterungen des Bodens und tiefe Töne wahr.8

Wie viele Menschen sterben an Schlangenbissen?

Die WHO schätzt 81.410 bis 137.880 Tote im Jahr. Die meisten Schlangenbisse gibt es in Afrika, Asien und Lateinamerika.13

Wie alt werden Schlangen?

Das hängt stark von der Art ab. Manche Arten werden bis zu 40 Jahre alt.10

Warum haben Schlangen eine gespaltene Zunge?

Die Zunge nimmt Duftstoffe auf und bringt sie zum Jacobsonschen Organ im Gaumendach. Damit verfolgen Schlangen Beute und finden Partner.9

Quellen

  1. 1.The Reptile Database (2026): Species Numbers (as of June 2026)
  2. 2.The Reptile Database (2025): Higher Taxa in Extant Reptiles
  3. 3.The Reptile Database (2026): Advanced Search: Serpentes (Artenzahlen je Familie, Abfrage 4. November 2026)
  4. 4.Encyclopaedia Britannica (2026): Snake
  5. 5.Encyclopaedia Britannica (2026): Snake: Dormant periods, Interactions between individuals, Mating
  6. 6.Encyclopaedia Britannica (2026): Snake: Egg formation and laying, Early development and growth
  7. 7.Encyclopaedia Britannica (2026): Snake: Form and function
  8. 8.Encyclopaedia Britannica (2026): Snake: Skull and sense organs
  9. 9.Encyclopaedia Britannica (2026): Snake: Specializations for securing food
  10. 10.San Diego Zoo Wildlife Alliance: Snake
  11. 11.Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) (2023): Artensteckbriefe und Bestimmung der heimischen Schlangen
  12. 12.Nature (2022): A global reptile assessment highlights shared conservation needs of tetrapods (Cox et al., Nature 605)
  13. 13.Weltgesundheitsorganisation (WHO): Snakebite envenoming (Fact sheet)

Aktualisiert am 5. November 2026