Ameisenbär (Myrmecophaga)

Säugetiere, Familie Große Ameisenbären und Tamanduas, Gefährdung: gefährdet

Ameisenbären heißt die ganze Gruppe mit Tamanduas und Seidenameisenbär; diese Seite beschreibt ihre größte Art, den Großen Ameisenbären.

Aktualisiert am . Mit 8 Quellen. So entstehen unsere Tierprofile

Ameisenbär
Der Ameisenbär (Myrmecophaga) in seinem typischen Lebensraum (KI Generiert)

Der Großer Ameisenbär in Kürze

Der Große Ameisenbär (Myrmecophaga tridactyla) ist das größte Tier unter den Ameisenbären. Er lebt in Grasland, Savannen und Wäldern von Honduras bis in den Norden Argentiniens. Besonders ist seine bis zu 61 cm lange Zunge, mit der er täglich bis zu 30.000 Ameisen und Termiten frisst. Die IUCN stuft ihn als gefährdet ein.1247

Steckbrief: Großer Ameisenbär

Kopf-Rumpf-Länge100 bis 120 cm24
Schwanzlänge65 bis 90 cm24
Gewicht18 bis 39 kg, im Mittel etwa 33 kg27
Lebenserwartung Wildnisbis etwa 15 Jahre7
Lebenserwartung Zooüber 25 Jahre möglich, Höchstalter 31 Jahre67
Nahrungfast nur Ameisen und Termiten, selten Käferlarven und Früchte27
Aktivitättagsüber oder nachts, in der Nähe von Menschen vor allem nachts24
LebensweiseEinzelgänger am Boden, nur Mutter und Junges bleiben zusammen24
Heimisch in (14 Ländern)Argentinien, Bolivien, Brasilien, Ecuador, Französisch-Guayana, Guyana, Honduras, Kolumbien, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, Suriname, Venezuela1
Vorkommen unsicherBelize (möglicherweise ausgestorben), Costa Rica (möglicherweise ausgestorben), El Salvador (möglicherweise ausgestorben), Guatemala (möglicherweise ausgestorben), Uruguay (möglicherweise ausgestorben)1
Gefährdung

gefährdet (VU) laut Roter Liste der IUCN, Stand 2024, Bestand abnehmend1

  1. LC
  2. NT
  3. VU (aktuelle Einstufung)
  4. EN
  5. CR
  6. EW
  7. EX

Wie sieht der Große Ameisenbär aus?

Der Große Ameisenbär ist die größte Art der Ameisenbären. Sein Körper misst 100 bis 120 cm, dazu kommt ein buschiger Schwanz von 65 bis 90 cm. Er wiegt 18 bis 39 kg. Auffällig sind die lange, röhrenförmige Schnauze ohne Zähne und ein schwarzer, weiß gesäumter Streifen an jeder Schulter.247

Das Fell ist dicht und grob. Am längsten ist es zum Schwanz hin, die Haare am Schwanz werden bis 40 cm lang. Der Körper ist überwiegend dunkelbraun bis schwarz. Der dreieckige Streifen beginnt unter dem Ohr und an der Kehle, zieht zu den Vorderbeinen und läuft in der Körpermitte spitz aus. Die Vorderbeine sind überwiegend weiß mit zwei schwarzen Bändern.57

Die Schnauze wird bis 45 cm lang. Augen und Ohren sind klein. Er sieht schlecht, der Geruchssinn ist dagegen etwa 40-mal so fein wie beim Menschen.24

Die Zunge reicht bis 61 cm weit, ist aber nur 10 bis 15 mm breit. Sie trägt kleine Dornen und ist mit klebrigem Speichel bedeckt. Ihre Muskeln setzen nicht am Zungenbein an, sondern hinten am Brustbein. Die Speicheldrüse unter dem Kiefer ist allein etwa so groß wie der Kopf.2347

Die Vorderfüße haben fünf Finger, aber meist nur drei kräftige Krallen. Am größten ist die Kralle am dritten Finger. Die Vorderkrallen werden bis 10 cm lang. Der Artname tridactyla bedeutet dreifingrig und bezieht sich auf diese drei Krallen. Beim Gehen schlägt das Tier die Krallen ein und trägt sein Gewicht auf Knöcheln und Handgelenk.247

Männchen und Weibchen sehen fast gleich aus, Männchen sind etwas schwerer.57 Die Körpertemperatur ist für ein Säugetier niedrig. Bei einem Tier im Zoo lag sie bei 32,7 °C, bei aktiven Tieren im Freiland bei 34 bis 36,7 °C.47

Wo lebt der Große Ameisenbär?

Der Große Ameisenbär lebt in Mittel- und Südamerika, von Honduras bis Bolivien und in den Norden Argentiniens. In Südamerika kommt er östlich der Anden vor. Er bewohnt Grasland, Savannen, Buschland, Sümpfe und Wälder bis zum Regenwald, meist im Tiefland. Nach oben reicht sein Gebiet bis etwa 2.000 m.127

Laut Roter Liste lebt er sicher in 14 Ländern. In fünf weiteren ist er möglicherweise ausgestorben: Belize, Costa Rica, El Salvador, Guatemala und Uruguay. Auch im Süden Brasiliens und in Teilen Argentiniens gilt er als möglicherweise verschwunden. In Mexiko kommt er heute nicht vor.1

Westlich der Anden gibt es Nachweise nur aus Kolumbien und vielleicht aus Ecuador. In Honduras ist er aus dem Gebiet an der Karibikküste verschwunden.7

Ein Tier nutzt im Mittel ein Gebiet von 2,7 bis 11,9 km². Einzelne Tiere streifen über bis zu 9.000 Hektar umher. An manchen Orten leben bis zu 2 Tiere auf einem Quadratkilometer.27

Wo der Großer Ameisenbär beobachtet wird

Weltkarte: Gebiete, in denen der Großer Ameisenbär seit 2000 beobachtet und gemeldet wurde. Dunklere Waben bedeuten mehr Meldungen.
Die Karte zeigt Meldungen von Beobachtungen aus den Jahren 2000-2026, nicht die Größe der Bestände. In Europa und Nordamerika melden mehr Menschen ihre Funde als anderswo. Daten: GBIF.org (10.663 Meldungen, abgerufen am 4.11.2026). Kartengrundlage: © OpenStreetMap-Mitwirkende, © OpenMapTiles.

Länder mit den meisten Meldungen

  • Kolumbien7.190
  • Brasilien2.792
  • Argentinien192
  • Ecuador149
  • Paraguay71
  • Französisch-Guayana62

Was frisst der Große Ameisenbär?

Der Große Ameisenbär frisst fast nur Ameisen und Termiten. Selten nimmt er Käferlarven, Bienennester oder Früchte. Er reißt die Baue mit den Vorderkrallen auf und holt die Insekten mit der klebrigen Zunge heraus. Am Tag frisst er bis zu 30.000 Insekten, nach einer Studie bis zu 35.000.247

Die Zunge schnellt bis zu 150-mal in der Minute heraus und wieder zurück, nach Messungen sogar bis zu 160-mal.27 An einem Bau bleibt er nur kurz, oft etwa eine Minute, manchmal nur 38 Sekunden. Dabei frisst er etwa 140 Insekten. Den wehrhaften Soldaten der Kolonie weicht er aus und zieht weiter.3457

Seine Beute findet er mit der Nase. Er erkennt die Insektenart schon am Geruch, bevor er den Bau öffnet. In trockenen Gebieten und in der Trockenzeit frisst er mehr Termiten. In Venezuela fanden Forscher 23 Ameisenformen in seiner Nahrung, bevorzugt große und mittelgroße Ameisen.37

Der Magen bildet keine Salzsäure. Bei der Verdauung hilft die Ameisensäure aus der Beute. Der Ameisenbär trinkt selten. Er nimmt Wasser vor allem mit der Nahrung und von feuchten Pflanzen auf.34

Wie lebt der Große Ameisenbär?

Der Große Ameisenbär ist ein Einzelgänger. Nur Mütter mit Jungen bleiben zusammen. Er lebt am Boden und schläft bis zu 15 Stunden am Tag. In ungestörten Gebieten ist er tagsüber aktiv, in der Nähe von Menschen vor allem nachts. Bei großer Hitze sucht er nachts nach Futter, an kühlen Tagen eher mittags.247

Er baut keine eigenen Baue, obwohl er gut graben kann. Zum Schlafen nutzt er verlassene Erdbaue, dichtes Gebüsch oder Mulden im Boden.2

Meist geht er langsam und schlurfend, kann bei Gefahr aber schnell rennen. Er schwimmt gut und nutzt die Schnauze dabei wie einen Schnorchel. Auf Bäume klettert er in der Natur selten.245

Seine wichtigsten natürlichen Feinde sind Jaguar und Puma. Meist flieht der Ameisenbär. Wird er bedrängt, richtet er sich auf, stützt sich auf den Schwanz und schlägt mit den Vorderkrallen zu.237

Er ist meist still. Er schnaubt, schnüffelt und zischt, im Kampf brüllt er auch. Junge Tiere geben einen hohen, schrillen Laut von sich.23

Wie pflanzt sich der Große Ameisenbär fort?

Das Weibchen bringt nach einer Tragzeit von etwa 170 bis 190 Tagen meist ein einzelnes Junges zur Welt. Es wiegt 1,1 bis 1,6 kg und trägt schon Fell mit der Zeichnung der Erwachsenen. Das Junge klettert sofort auf den Rücken der Mutter. Dort reitet es 6 bis 9 Monate mit.257

Die Mutter bringt das Junge im Stehen zur Welt. Um das Junge kümmert sich nur sie. Es trinkt etwa 6 Monate lang Milch. Selbstständig wird es mit etwa 2 Jahren, früher, wenn die Mutter wieder trächtig wird.257

Zwischen zwei Geburten können nur 9 Monate liegen. Der Zyklus des Weibchens dauert 47 bis 62 Tage. Geschlechtsreif werden die Tiere mit 2 bis 4 Jahren.27

Wie die Tiere sich in der Natur paaren, ist wenig bekannt. Das meiste weiß man aus Zoos. Dort pflanzen sie sich das ganze Jahr über fort. In der Natur gilt das für manche Gebiete ebenso, in anderen gibt es feste Zeiten. Nach Angaben des San Diego Zoo paaren sich wilde Tiere von März bis Mai.25

Ist der Große Ameisenbär gefährdet?

Ja. Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft den Großen Ameisenbären auf ihrer Roten Liste als gefährdet (Vulnerable) ein. Die Bewertung stammt vom Mai 2024 und erschien 2025. Der Bestand nimmt ab, und sein Lebensraum schrumpft weiter. Hauptgründe sind Landwirtschaft, Brände, Straßen, Hunde und die Jagd.17

Wie stark der Bestand insgesamt geschrumpft ist, muss noch erforscht werden. Aus vielen Gebieten ist er aber schon verschwunden, vor allem in Mittelamerika und im Süden seines Gebiets.3

Die wichtigsten Bedrohungen sind:147

  • Verlust von Lebensraum: Wälder und Savannen werden zu Ackerland und Viehweiden.
  • Feuer: Im Emas-Nationalpark in Brasilien lebten etwa 300 Tiere. Nach einem Brand 1994 waren es vielleicht nur noch 43.7
  • Straßenverkehr: Viele Tiere sterben bei Zusammenstößen mit Autos.
  • Haushunde, die Ameisenbären angreifen.
  • Jagd für Fleisch und Leder, Fang für den Tierhandel. In Venezuela werden die großen Krallen genutzt. Manche Landwirte töten die Tiere, weil sie sie für Schäden an Vieh oder Hunden verantwortlich machen.

Der Ameisenbär bekommt nur ein Junges auf einmal, ist groß und auf wenige Beutetiere angewiesen. Das macht ihn besonders anfällig.3 Er steht in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES). Der Handel ist damit erlaubt, aber kontrolliert.27

Wie ist der Große Ameisenbär verwandt?

Der Große Ameisenbär ist die einzige lebende Art der Gattung Myrmecophaga. Er gehört zur Familie Myrmecophagidae und zur Ordnung Pilosa. Seine nächsten Verwandten sind die Tamanduas. Sie wiegen nur 3,2 bis 7 kg und fressen kleinere Insekten. Von ihnen trennte sich seine Linie vor etwa 13 Millionen Jahren.478

Carl von Linné beschrieb die Art 1758. Der Gattungsname bedeutet Ameisenfresser. Fachleute unterscheiden vorläufig drei Unterarten: M. t. tridactyla, M. t. centralis und M. t. artata.478

Die ältesten sicheren Fossilien der Gattung sind 9 bis 7 Millionen Jahre alt. Die heutige Art ist seit dem frühen Pleistozän bekannt, also seit 1,9 bis 1 Million Jahren. Diese frühen Funde stammen aus dem Norden Mexikos.7

Wie groß ist der Großer Ameisenbär im Vergleich?

Großer Ameisenbär: bis 1,2 m (Kopf-Rumpf-Länge ohne Schwanz)24

Erwachsener Mensch (rund 1,75 m)

Beide Balken im selben Maßstab.

Mit welchen Tieren der Großer Ameisenbär verwechselt wird

  • Tamanduas (Gattung Tamandua)

    Deutlich kleiner: Tamanduas wiegen nur 3,2 bis 7 kg, der Große Ameisenbär 18 bis 39 kg.

Häufige Fragen und Antworten: Großer Ameisenbär

Wie viele Ameisen frisst ein Ameisenbär am Tag?

Ein Großer Ameisenbär frisst bis zu 30.000 Ameisen und Termiten am Tag, nach einer Studie bis zu 35.000. An einem einzelnen Bau sind es nur etwa 140.347

Wie lang ist die Zunge eines Ameisenbären?

Die Zunge des Großen Ameisenbären reicht bis 61 cm weit und ist nur 10 bis 15 mm breit.24

Hat ein Ameisenbär Zähne?

Nein. Der Große Ameisenbär hat keine Zähne. Er fängt die Insekten mit der klebrigen Zunge.24

Wie alt wird ein Ameisenbär?

In der Natur werden Große Ameisenbären bis etwa 15 Jahre alt, im Zoo über 25 Jahre. Das höchste bekannte Alter liegt bei 31 Jahren.67

Ist ein Ameisenbär gefährlich?

Meist flieht er. Wird er bedrängt, richtet er sich auf und schlägt mit bis zu 10 cm langen Vorderkrallen zu.24

Quellen

  1. 1.IUCN (Miranda, F., Aliaga-Rossel, E., Wallace, R.B. et al.) (2025): Myrmecophaga tridactyla. The IUCN Red List of Threatened Species 2025: e.T14224A210444314
  2. 2.Animal Diversity Web, University of Michigan Museum of Zoology (Woltanski, A.) (2004): Myrmecophaga tridactyla (giant anteater)
  3. 3.Smithsonian's National Zoo and Conservation Biology Institute: Giant anteater
  4. 4.SeaWorld, United Parks & Resorts: Giant Anteater Facts and Information
  5. 5.San Diego Zoo Wildlife Alliance: Giant Anteater
  6. 6.AnAge, Human Ageing Genomic Resources: Giant anteater (Myrmecophaga tridactyla) longevity, ageing, and life history
  7. 7.American Society of Mammalogists (Gaudin, T. J., Hicks, P., Di Blanco, Y.) (2018): Myrmecophaga tridactyla (Pilosa: Myrmecophagidae). Mammalian Species 50 (956): 1 bis 13
  8. 8.Global Biodiversity Information Facility (GBIF): Myrmecophaga tridactyla Linnaeus, 1758, GBIF Backbone Taxonomy

Aktualisiert am 6. November 2026