Wanderratte (Rattus norvegicus)

Säugetiere, Familie Langschwanzmäuse, Gefährdung: nicht gefährdet

Aktualisiert am . Mit 9 Quellen. So entstehen unsere Tierprofile

Wanderratte
Bild: Rudmer Zwerver / Shutterstock.com

Die Wanderratte in Kürze

Die Wanderratte (Rattus norvegicus) ist ein Nagetier aus der Familie der Langschwanzmäuse. Sie stammt aus dem Norden Chinas und der Mongolei und lebt heute im Gefolge des Menschen auf allen Kontinenten außer der Antarktis. Sie wird bis 30 cm lang, ohne Schwanz, und bis 500 g schwer. Ihre gezüchtete Form ist die Laborratte.1247

Steckbrief: Wanderratte

Kopf-Rumpf-Länge19 bis 30 cm2
Schwanzlänge13 bis 32 cm, meist etwas kürzer als der Körper23
Gewicht140 bis 500 g, Männchen meist schwerer als Weibchen124
Lebenserwartungin freier Wildbahn meist unter 1 Jahr; in Gefangenschaft bis 3,8 Jahre235
NahrungAllesfresser: Getreide, Pflanzenteile, Abfälle, Eier, Insekten, Schnecken, Muscheln, Fische, Jungvögel, Aas234
Aktivitätvor allem in der Dämmerung und nachts, bei hoher Dichte auch tagsüber13
Lebensweisegesellig, in Rudeln mit Rangordnung, gräbt Gangsysteme136
FortpflanzungTragzeit 22 bis 24 Tage, meist 6 bis 9 Junge pro Wurf13
Verbreitungweltweit außer der Antarktis; ursprünglich Nordchina und Mongolei147
Gefährdung

nicht gefährdet (LC) laut Roter Liste der IUCN, Stand 2025, Bestand stabil8

  1. LC (aktuelle Einstufung)
  2. NT
  3. VU
  4. EN
  5. CR
  6. EW
  7. EX

Wie sieht die Wanderratte aus?

Die Wanderratte ist eine kräftige, gedrungene Ratte mit stumpfer Schnauze. Ihr Fell ist oben graubraun bis braun, der Bauch hellgrau bis schmutzig weiß. Ohne Schwanz misst sie 19 bis 30 cm. Der Schwanz ist meist etwas kürzer als Kopf und Rumpf. Sie wiegt bis 500 g, Männchen sind meist schwerer als Weibchen.12346

Die Angaben zu den Maßen schwanken je nach Quelle. Ein mitteleuropäisches Handbuch nennt 18 bis 26 cm Kopf-Rumpf-Länge, 14 bis 21 cm Schwanzlänge und 170 bis 350 g Gewicht. Das Umweltbundesamt gibt eine größere Spanne an: 19 bis 30 cm Körper und 13 bis 32 cm Schwanz.23

Auf dem Rücken stehen zwischen den braunen Haaren längere schwarze Leithaare. Zwischen Ober- und Unterseite gibt es keine scharfe Grenze. Manche Tiere haben einen weißen Fleck auf der Brust.3

Der Schwanz wirkt fast nackt. Tatsächlich trägt er eine dünne Schicht feiner Haare. An der Wurzel ist er dick und etwas abgeflacht, die Unterseite ist heller.34

Augen und Ohren sind kleiner als bei der Hausratte. Klappt man das Ohr nach vorn, reicht es höchstens bis zum hinteren Augenwinkel.3

Gezüchtete Wanderratten sehen anders aus. Laborratten sind oft Albinos, also weiß mit roten Augen. Farbratten, die als Heimtiere gehalten werden, gibt es in vielen Farben und Mustern.4

Wo lebt die Wanderratte?

Die Wanderratte lebt heute auf allen Kontinenten außer der Antarktis. Ursprünglich stammt sie aus den kühleren Gebieten im Norden Chinas und der Mongolei. Mit dem Menschen, vor allem auf Schiffen, gelangte sie in die ganze Welt. Sie lebt fast immer in der Nähe von Siedlungen, in Kanälen, Kellern, Ställen, Lagerhallen und Häfen.12467

Die Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN führt China, Japan, die Mongolei und Russland als Länder mit ursprünglichem Vorkommen. In den übrigen Ländern ist die Art eingeschleppt. Sie kommt vom Meeresspiegel bis in 3.250 m Höhe vor.8

Wann die Wanderratte Europa erreichte, ist nicht ganz geklärt. Eine genetische Studie und die Encyclopaedia Britannica nennen das 16. Jahrhundert. Andere Quellen sehen eine Ausbreitung erst im frühen 18. Jahrhundert, um 1800 lebte sie in jedem Land Europas. Nach Nordamerika kam sie um 1750.1347

Die Studie untersuchte 314 Ratten aus aller Welt. Sie fand fünf Ausbreitungswege. Einer führte nach Südostasien, zwei nach Osten bis zu den Aleuten und an die Westküste Nordamerikas, einer nach Westen bis Europa. Der fünfte Weg folgte den europäischen Kolonialmächten: Von Europa aus gelangten die Ratten mit Schiffen nach Afrika, Amerika und Australasien.7

In Mitteleuropa ist die Wanderratte fast überall verbreitet. Lücken gibt es im Mittelmeerraum und im Hochgebirge. Sie braucht Wasser und lebt im Freien gern an Flüssen, Seen und Teichen. In naturbelassenen Lebensräumen fern vom Menschen ist sie selten.23

In Gebäuden bewohnt sie heute meist nur noch Keller. Ein Handbuch erklärt das damit, dass Häuser aus Beton statt aus Holz gebaut werden.3

Wo die Wanderratte beobachtet wird

Weltkarte: Gebiete, in denen die Wanderratte seit 2000 beobachtet und gemeldet wurde. Dunklere Waben bedeuten mehr Meldungen.
Die Karte zeigt Meldungen von Beobachtungen aus den Jahren 2000-2026, nicht die Größe der Bestände. In Europa und Nordamerika melden mehr Menschen ihre Funde als anderswo. Daten: GBIF.org (231.051 Meldungen, abgerufen am 4.11.2026). Kartengrundlage: © OpenStreetMap-Mitwirkende, © OpenMapTiles.

Länder mit den meisten Meldungen

  • Belgien99.122
  • Vereinigtes Königreich36.730
  • Niederlande31.121
  • Frankreich13.507
  • Deutschland9.410
  • Spanien5.626

Was frisst die Wanderratte?

Die Wanderratte ist ein Allesfresser. Sie frisst Getreide, Samen, Früchte, andere Pflanzenteile und Abfälle des Menschen. Dazu kommen tierische Nahrung und Aas: Insekten, Schnecken, Muscheln, Krebstiere, Amphibien, Fische, Eier und junge Vögel. Was sie bevorzugt, ist umstritten und unterscheidet sich von Tier zu Tier.234

Ein in Deutschland untersuchter Magen enthielt rund 4.000 Nahrungsteile, überwiegend pflanzliche. In Versuchen wählten Wanderratten dagegen bevorzugt Fleisch.1

Für Vögel und kleine Säugetiere sind Wanderratten gefürchtete Nesträuber. Selten greifen sie auch größere Tiere wie Küken, junge Enten, Hühner oder Ferkel an, oft gemeinsam.236

Neue Nahrung probiert die Wanderratte zögerlich. Schlechte Erfahrungen mit Ködern merkt sie sich und meidet diese Nahrung dann.3

Wie lebt die Wanderratte?

Die Wanderratte lebt gesellig in Rudeln, oft aus mehreren Familien eines Gründerpaars. Im Rudel gilt eine feste Rangordnung, meist führen große Männchen. Die Tiere erkennen sich am gemeinsamen Geruch und vertreiben fremde Ratten. Aktiv sind sie vor allem in der Dämmerung und nachts.1236

Bei hoher Dichte und bei rangniedrigen Tieren ist die Wanderratte auch tagsüber unterwegs. Sie hat am Tag vier bis sechs Aktivitätsphasen. Im Freiland leben in einer Kolonie meist etwa 100 Tiere, gelegentlich über 1.000.3

Wanderratten graben weit verzweigte Baue, meist 30 bis 40 cm tief, mit Gängen von 6 bis 9 cm Durchmesser und mehreren Kammern. Die Nester polstern sie mit Gras, Stroh und in Siedlungen mit Papier. Anders als die Hausratte legt die Wanderratte große unterirdische Gangsysteme an.36

Die Tiere sind geschickt:23

  • Sie schwimmen und tauchen gut.3
  • Sie klettern, etwa auf Obstbäume.3
  • Sie springen bis 1,5 m hoch.2
  • Sie zwängen sich durch Löcher von nur 2 cm Durchmesser.2

Männchen streifen in einem Umkreis von etwa 600 m umher, Weibchen von etwa 240 m. In Siedlungen sind es im Schnitt nur 65 m. Die längste beobachtete Strecke in einer Nacht betrug 3,3 km.3

Wanderratten verständigen sich mit Lauten im hörbaren Bereich und im Ultraschall, also in Tönen über der menschlichen Hörgrenze. Sie hören bis 100 kHz. Ultraschall nutzen sie bei Streit, bei der Paarung und bei der Aufzucht der Jungen. Laufwege markieren sie mit Urin.3

Feinde sind in Siedlungen vor allem Katzen und Hunde. Auf dem Land jagen Hermelin, Mauswiesel, Iltis, Steinmarder und Eulen, besonders der Uhu, Wanderratten.3

Wie pflanzt sich die Wanderratte fort?

Die Wanderratte kann sich das ganze Jahr fortpflanzen. In Mitteleuropa liegen die Hauptzeiten von März bis Juni und im September und Oktober. Nach 22 bis 24 Tagen Tragzeit bringt das Weibchen meist 6 bis 9 Junge zur Welt, höchstens etwa 14. Männchen und Weibchen paaren sich mit mehreren Partnern.134

Wie viele Würfe ein Weibchen im Jahr hat, hängt stark von den Bedingungen ab. Im Freiland sind es meist 2 bis 3. Unter günstigen Bedingungen nennen Quellen bis zu sechs oder sieben Würfe. Schon etwa 18 Stunden nach der Geburt kann das Weibchen erneut empfängnisbereit sein.123

Die Jungen wiegen bei der Geburt etwa 5 g. Sie sind nackt und blind. Nach 14 bis 17 Tagen öffnen sie die Augen. Mit 3 bis 4 Wochen werden sie entwöhnt, mit 4 bis 5 Wochen sind sie selbstständig.135

Die Angaben zur Geschlechtsreife reichen von 2 bis 5 Monaten. Männchen werden mit etwa 3 bis 4 Monaten geschlechtsreif, Weibchen mit 3 bis 5 Monaten.123

Wird ein Bestand zu dicht, regelt er sich selbst. Stress hemmt dann über Hormone die Fortpflanzung, und mehr Tiere sterben. Rudel und Reviere lösen sich auf, und viele Tiere wandern ab.3

Ist die Wanderratte gefährdet?

Nein. Die IUCN führt die Wanderratte als nicht gefährdet (Least Concern). Die letzte Bewertung stammt vom August 2025, der Bestand gilt als stabil. Die Art ist international nicht geschützt. Außerhalb ihrer Heimat gilt sie als eingeschleppte Art und wird vielerorts bekämpft.348

Auf Inseln im Meer hat die Wanderratte heimische Kleinsäuger, Vögel und Reptilien stark dezimiert oder ausgerottet.4

Gegen Gifte, die die Blutgerinnung hemmen, sind viele Wanderratten durch Veränderungen im Erbgut widerstandsfähig geworden. Auch gegen neuere Gifte sind manche Tiere bereits unempfindlich. Fachleute raten deshalb vor allem zur Vorbeugung: Löcher verschließen, Futter und Abfälle wegräumen.23

Geräte mit Schall, Ultraschall oder elektromagnetischen Feldern gelten nach bisherigem Wissen als wirkungslos.2

Wie ist die Wanderratte verwandt?

Die Wanderratte gehört zur Gattung Rattus in der Familie der Langschwanzmäuse (Muridae), Ordnung Nagetiere. Zur selben Gattung gehört die Hausratte (Rattus rattus). Beschrieben wurde die Art 1769 von Berkenhout. Der Name norvegicus geht auf die falsche Annahme zurück, die Ratten stammten aus Norwegen.49

Eine genetische Studie fand weltweit 13 Gruppen von Wanderratten, die sich in ihrem Erbgut unterscheiden. Sie gehen auf die fünf Ausbreitungswege der Art zurück.7

Aus der Wanderratte sind zwei Haustierformen hervorgegangen: die Laborratte und die Farbratte.46

Wanderratte und Mensch

Die Wanderratte kann über 100 verschiedene Krankheiten auf den Menschen übertragen. Dazu gehören Pest, Salmonellose, Leptospirose, murines Fleckfieber und Tularämie. Die Erreger gelangen über Bisse, Urin oder Flöhe zum Menschen. Sie nagt Kabel und Rohre an, verunreinigt Vorräte und kann Deiche durch Graben beschädigen.24

Allein in den USA schätzt eine Quelle die Schäden auf fast 1 Milliarde US-Dollar im Jahr.1

Zugleich ist die Wanderratte eines der wichtigsten Versuchstiere. Sie gilt als erstes Säugetier, das für die Forschung gezüchtet wurde. Im Europa des 19. Jahrhunderts begann man, sie in Labors zu halten. Laborratten sind meist Albinos und deutlich zahmer als wilde Tiere.46

Als Heimtier wird die Farbratte gehalten. Sie ist auf Zahmheit gezüchtet, meist kleiner als die Wildform und hat viele Fellfarben. Bekannte Zuchtformen sind die Rex mit lockigem Fell und die Dumbo mit großen, tief sitzenden Ohren.4

Wie groß ist die Wanderratte im Vergleich?

Wanderratte: bis 30 cm (Kopf-Rumpf-Länge (Höchstwert))2

Blatt DIN A4 (29,7 cm lang)

Beide Balken im selben Maßstab.

Was die Wanderratte im Lauf des Jahres macht

ZeitraumJanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Hauptwurfzeiten (Mitteleuropa)3Januar: neinFebruar: neinMärz: jaApril: jaMai: jaJuni: jaJuli: neinAugust: neinSeptember: jaOktober: jaNovember: neinDezember: nein

Mit welchen Tieren die Wanderratte verwechselt wird

  • Hausratte

    Die Hausratte hat größere Ohren, die umgeklappt über die Augenmitte reichen, und einen längeren Schwanz.

Häufige Fragen und Antworten: Wanderratte

Wie groß wird eine Wanderratte?

Ohne Schwanz wird die Wanderratte 19 bis 30 cm lang, der Schwanz misst 13 bis 32 cm. Sie wiegt bis 500 g.2

Wie alt wird eine Wanderratte?

In freier Wildbahn wird eine Wanderratte meist nicht älter als ein Jahr. In Gefangenschaft kann sie bis 3,8 Jahre alt werden.25

Wie viele Junge bekommt eine Ratte?

Ein Wurf umfasst meist 6 bis 9 Junge, höchstens etwa 14. Im Freiland hat ein Weibchen meist 2 bis 3 Würfe im Jahr, unter günstigen Bedingungen mehr.13

Was ist der Unterschied zwischen Wanderratte und Hausratte?

Die Wanderratte ist schwerer und gedrungener. Sie hat kleinere Ohren und einen Schwanz, der etwas kürzer als der Körper ist. Die Hausratte hat größere Ohren und einen längeren Schwanz.3

Können Wanderratten schwimmen?

Ja. Wanderratten schwimmen und tauchen gut und leben gern an Gewässern.3

Stammt die Laborratte von der Wanderratte ab?

Ja. Laborratten sind gezüchtete Wanderratten, meist in der weißen Albinoform.46

Quellen

  1. 1.Animal Diversity Web, University of Michigan Museum of Zoology: Rattus norvegicus (Norway rat)
  2. 2.Umweltbundesamt: Wanderratte
  3. 3.apodemus, Institut für Wildtierbiologie (2026): Rattus norvegicus, Wanderratte (Resch, C. und Resch, S.: Internethandbuch über Kleinsäugerarten im mitteleuropäischen Raum)
  4. 4.Encyclopaedia Britannica (2026): Brown rat
  5. 5.Human Ageing Genomic Resources (AnAge): AnAge entry for Rattus norvegicus
  6. 6.Spektrum der Wissenschaft: Wanderratte, Lexikon der Biologie
  7. 7.The Royal Society (2016): Global population divergence and admixture of the brown rat (Rattus norvegicus), Puckett et al., Proceedings of the Royal Society B
  8. 8.IUCN (2026): Rattus norvegicus. The IUCN Red List of Threatened Species 2026: e.T19353A286459858
  9. 9.Global Biodiversity Information Facility (GBIF): Rattus norvegicus (Berkenhout, 1769), GBIF Backbone Taxonomy

Aktualisiert am 6. November 2026