Riesenlaufkäfer (Carabus gigas)

Insekten, Familie Laufkäfer, Gefährdung: nicht bewertet

Aktualisiert am . Mit 9 Quellen. So entstehen unsere Tierprofile

Riesenlaufkäfer
Bild: ASakoulis / Shutterstock.com

Der Riesenlaufkäfer in Kürze

Der Riesenlaufkäfer (Carabus gigas) ist der größte Laufkäfer Europas. Er lebt im Südosten Europas, vom Balkan bis nach Norditalien und in den Süden Österreichs. Der flugunfähige, tiefschwarze Käfer jagt vor allem Schnecken. Besonders ist seine Fortpflanzung: Die Weibchen legen sehr große Eier, aus denen die Larve schon nach wenigen Tagen schlüpft.1356

Steckbrief: Riesenlaufkäfer

KörperlängeWeibchen bis 6 cm, oft um ein Drittel größer als die Männchen1
Färbungtiefschwarz, Flügeldecken mit Reihen von Höckern16
Lebensdauerin Haltung als Käfer: Männchen etwa 2 Jahre, Weibchen bis 4 Jahre; mit Larvenzeit 3 bis 5 Jahre1
Nahrungvor allem lebende Schnecken, besonders Weinbergschnecken1
Aktivitätdämmerungsaktiv, ruht am Tag und in der Nacht1
LebensweiseBodenbewohner, flugunfähig16
Lebensraumfeuchte Laubwälder, vor allem Buchenwälder, Gräben mit Bächen, Waldränder12
VerbreitungSüdosteuropa: Balkanhalbinsel, Rumänien, Nordostitalien, Süden Österreichs19
Gefährdung

nicht bewertet (NE)8

Wie sieht der Riesenlaufkäfer aus?

Der Riesenlaufkäfer ist ein großer, plumper Laufkäfer von tiefschwarzer Farbe. Kopf und Halsschild sind grob gerunzelt, die gewölbten Flügeldecken tragen Reihen von Höckern. Weibchen werden bis 6 cm lang. Sie sind oft um ein Drittel größer als die Männchen. Er gilt als größte Laufkäferart Europas.1356

Die Weibchen sind wuchtiger gebaut und breiter oval als die Männchen. Kenner unterscheiden die Geschlechter schon an der Größe. Beim Männchen ist das letzte Glied der Kiefertaster, kleiner Tastfühler am Mund, etwas verbreitert.1

Bei den meisten anderen Arten der Gattung Carabus haben die Männchen stark verbreiterte Vorderfüße. Diese dienen bei der Paarung zum Festhalten. Beim Riesenlaufkäfer fehlt diese Verbreiterung, die Vorderfüße sind bei beiden Geschlechtern schlicht.13

Die Oberkiefer sind lang, spitz und stark gebogen. Die Oberlippe ist zweilappig. Flügel zum Fliegen hat der Käfer nicht.6

Die Beine sind verhältnismäßig lang. Trotzdem läuft der Riesenlaufkäfer nicht hastig wie viele andere große Laufkäfer. Er bewegt sich eher bedächtig und tastet mit den ausgestreckten Fühlern nach Beute.1

Wo lebt der Riesenlaufkäfer?

Der Riesenlaufkäfer ist eine südosteuropäische Art. Sein Verbreitungsgebiet reicht vom Parnass in Griechenland über Bulgarien und die Länder des früheren Jugoslawiens bis nach Rumänien. Im Nordwesten erreicht er Friaul in Italien, im Norden Kärnten und die Steiermark in Österreich. In Nord- und Westeuropa fehlt er.139

Der Catalogue of Life nennt Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Nordmazedonien, Albanien, Griechenland, Bulgarien, Rumänien und das frühere Jugoslawien. In Serbien kommt die Art vom Gebirge Fruška Gora im Norden bis in die Wälder im Rest des Landes vor.69

In Kärnten lebt er fast nur südlich der Drau. Nur an wenigen Stellen hat er den Fluss überschritten. Ein isoliertes Vorkommen liegt im Murtal der Steiermark, rund 100 km nördlich der Drau. Dort gilt Pernegg bei Bruck an der Mur heute als nördlichster bekannter Fundort.12

Lebensraum

Der Käfer lebt in feuchten Laubwäldern, vor allem in Buchenwäldern und in Gräben mit Gebirgsbächen. Dort hält er sich am Waldboden unter der Laubschicht auf, oft im Bereich der Wurzeln von Buchen. In der Steiermark wurde er in bodenfeuchten, unterwuchsreichen Laubwäldern mit Rotbuche und Esche gefunden. Er nutzt auch den Übergang vom Wald zu offenen Flächen.12

Wo der Riesenlaufkäfer beobachtet wird

Weltkarte: Gebiete, in denen der Riesenlaufkäfer seit 2000 beobachtet und gemeldet wurde. Dunklere Waben bedeuten mehr Meldungen.
Die Karte zeigt Meldungen von Beobachtungen aus den Jahren 2000-2026, nicht die Größe der Bestände. In Europa und Nordamerika melden mehr Menschen ihre Funde als anderswo. Daten: GBIF.org (381 Meldungen, abgerufen am 4.11.2026). Kartengrundlage: © OpenStreetMap-Mitwirkende, © OpenMapTiles.

Länder mit den meisten Meldungen

  • Serbien104
  • Slowenien85
  • Kroatien51
  • Bulgarien28
  • Österreich26
  • Griechenland24

Was frisst der Riesenlaufkäfer?

Der Riesenlaufkäfer frisst vor allem Schnecken. Seine Hauptnahrung ist die Weinbergschnecke. Er nimmt nur frische, lebende Schnecken an. Tote Schnecken beachtet er schon nach einem Tag nicht mehr. Larven und Käfer fressen dieselbe Beute.1

Der Käfer frisst die Schnecke im Gehäuse oder reißt sie heraus. Eine Weinbergschnecke zu verzehren dauert vier bis sechs Stunden. Deshalb findet man Käfer manchmal am Tag in Schneckenhäusen. Leere Gehäuse mit Fleischresten am Rand verraten seine Mahlzeiten.1

Wird die Schnecke angegriffen, hüllt sie den Käfer in Schaum. Den Riesenlaufkäfer stört das nicht, andere Laufkäfer fliehen davor. In Haltung fraß ein Käfer in der warmen Jahreszeit täglich eine Schnecke. Er nahm auch große Nacktschnecken, Rinderleber und im Herbst gern Pflaumen.1

Wie lebt der Riesenlaufkäfer?

Der Riesenlaufkäfer ist ein Dämmerungstier. Er ist im Morgengrauen und um den Sonnenuntergang aktiv und ruht am Tag und in der Nacht. Nach Regen und Gewittern sieht man ihn auch tagsüber. Er hält Winterschlaf und wird gegen Ende April oder Anfang Mai wieder aktiv.1

Viele große Laufkäfer fressen Artgenossen und deren Larven. Beim Riesenlaufkäfer beobachtete Emil Hölzel in jahrelanger Terrarienhaltung keinen solchen Kannibalismus. Käfer und Larven fraßen sogar gemeinsam an derselben Schnecke. Streit endete mit Fußtritten, ohne Verletzungen.1

Nach einer langen Mahlzeit verschwinden Käfer und Larven für einige Zeit in der Erde. Über das Leben im Freiland ist wenig bekannt. Die meisten Angaben stammen aus Beobachtungen in Gefangenschaft.1

Zu den Feinden zählt der Rotfuchs. Hölzel beobachtete, wie ein Fuchs seine Käferfallen plünderte.1

Wie pflanzt sich der Riesenlaufkäfer fort?

Der Riesenlaufkäfer paart sich von Ende April bis Mitte August. Die Weibchen legen die meisten Eier im Juli. Jedes Ei wird einzeln etwa 10 cm tief in den Boden gelegt. Die Larve ist im Mutterleib schon weit entwickelt und schlüpft nach rund drei Tagen. Fachleute nennen das ovovivipar, also fast lebendgebärend.13

Die Eier sind ungewöhnlich groß. Ein gemessenes Ei war 11 mm lang und 6,5 mm breit, also größer als ein Eidechsenei. Ein junges Weibchen legte in 32 Tagen 15 Eier, ein älteres von Mai bis Juni 17 Eier. Junge Weibchen werden erst ab Juli geschlechtsreif.1

Die frisch geschlüpfte Larve ist fast 2 cm lang und hat einen blauen Rücken. Sie häutet sich vier- bis fünfmal und überwintert. Nach rund zehn Monaten ist sie ausgewachsen, etwa 65 mm lang, und verpuppt sich im Boden. Die Puppenruhe dauert mindestens drei Wochen.1

Anders als die meisten Laufkäfer leben die Käfer mehrere Jahre und pflanzen sich wiederholt fort. In Haltung wurden Männchen etwa zwei Jahre alt, Weibchen bis vier Jahre. Mit der Larvenzeit ergibt das drei bis fünf Jahre.1

Ist der Riesenlaufkäfer gefährdet?

Weltweit ist der Riesenlaufkäfer nicht bewertet: Die Rote Liste der IUCN führt keine Einstufung. Regional gilt er als gefährdet. In Slowenien steht er auf der Roten Liste. In Kärnten stufte ihn die Rote Liste von 1999 als stark gefährdet ein.478

Der Grund in Kärnten: Trotz vieler Versuche wurde der Käfer dort bis 2001 drei Jahrzehnte lang kaum noch gefunden. Als allgemeine Ursachen für den Rückgang von Laufkäfern in den Tallagen Kärntens nennt die Liste den Verlust von Auen und die Zerschneidung der Landschaft.45

In der Steiermark gibt es neue Funde. Die alten Vorkommen im Murtal wurden bei Pernegg bestätigt. Dazu kamen erste Nachweise in der Südsteiermark. Die Fachleute erwarten, dass sich die Art dort weiter ausbreitet. Als möglichen Grund nennen sie Zuwanderung aus dem Süden infolge des Klimawandels.2

Wie ist der Riesenlaufkäfer verwandt?

Der Riesenlaufkäfer gehört zur Untergattung Procerus der Gattung Carabus. Früher galt Procerus als eigene Gattung, daher der alte Name Procerus gigas. Grund waren die schlichten Vorderfüße der Männchen und die besondere Fortpflanzung. Zu Procerus zählen große, flugunfähige Arten von Norditalien bis in den Norden Irans.136

Der Catalogue of Life führt vier Unterarten: gigas, duponchelii, latitudinis und parnassicus. Nach dem Weltkatalog der Gattung von 2021 gibt es nur zwei deutlich getrennte Unterarten, gigas und duponcheli.69

Ein naher Verwandter ist Carabus scabrosus. Er lebt von Bulgarien und Griechenland über die Türkei bis in den Kaukasus und auf die Krim. 2015 wurde er erstmals in Serbien gesammelt. Zur selben Gattung gehören auch heimische Arten wie der Lederlaufkäfer und der Goldlaufkäfer.6

Wie groß ist der Riesenlaufkäfer im Vergleich?

Riesenlaufkäfer: bis 6 cm (Körperlänge Weibchen (Höchstwert))1

1-Euro-Münze (2,3 cm breit)

Beide Balken im selben Maßstab.

Was der Riesenlaufkäfer im Lauf des Jahres macht

ZeitraumJanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Paarungszeit (Haltung, Kärnten)1Januar: neinFebruar: neinMärz: neinApril: jaMai: jaJuni: jaJuli: jaAugust: jaSeptember: neinOktober: neinNovember: neinDezember: nein
Eiablage (Haltung, Kärnten)1Januar: neinFebruar: neinMärz: neinApril: neinMai: jaJuni: jaJuli: jaAugust: jaSeptember: neinOktober: neinNovember: neinDezember: nein

Mit welchen Tieren der Riesenlaufkäfer verwechselt wird

  • Carabus scabrosus

    Oberseite metallisch bläulich, purpurn bis violett statt tiefschwarz.

  • Lederlaufkäfer

    Männchen mit verbreiterten Vorderfüßen; beim Riesenlaufkäfer sind die Vorderfüße bei beiden Geschlechtern schlicht.

Häufige Fragen und Antworten: Riesenlaufkäfer

Wie groß wird ein Riesenlaufkäfer?

Weibchen werden bis 6 cm lang und sind oft um ein Drittel größer als die Männchen. Damit gilt er als größter Laufkäfer Europas.13

Gibt es den Riesenlaufkäfer in Deutschland?

Nein, er lebt in Südosteuropa. Die nördlichsten Vorkommen liegen in Kärnten und in der Steiermark in Österreich.12

Kann ein Riesenlaufkäfer beißen?

Schon junge Larven beißen kräftig zu. Eine Larve brachte Emil Hölzel eine 4 mm lange, blutende Schnittwunde an der Hand bei.1

Wie alt wird ein Riesenlaufkäfer?

In Haltung lebten Männchen als Käfer etwa zwei Jahre, Weibchen bis vier Jahre. Zusammen mit der Larvenzeit sind das drei bis fünf Jahre.1

Kann der Riesenlaufkäfer fliegen?

Nein. Alle Käfer der Untergattung Procerus sind flugunfähig.6

Quellen

  1. 1.Emil Hölzel, Carinthia II 145/65, Naturwissenschaftlicher Verein für Kärnten (1955): Aus dem Leben des Riesenlaufkäfers, Procerus gigas Creutz.
  2. 2.Wolfgang Paill und Erwin Holzer, Joannea Zoologie 14, Universalmuseum Joanneum (2015): Interessante Laufkäferfunde aus der Steiermark IV (Coleoptera, Carabidae)
  3. 3.Erich Kreissl, Mitteilungen der Abteilung für Zoologie und Botanik am Landesmuseum Joanneum Graz (1962): Zur Kenntnis der Käfer Steiermarks (2. Beitrag): Das Vorkommen von Carabus (Procerus) gigas Creutz. in Steiermark
  4. 4.Wolfgang Paill und Peer Hajo Schnitter, Naturschutz in Kärnten 15, Amt der Kärntner Landesregierung (1999): Rote Liste der Laufkäfer Kärntens (Insecta: Carabidae)
  5. 5.Wolfgang Paill, Entomologica Austriaca 1, Österreichische Entomologische Gesellschaft (2001): Mitarbeit erwünscht: Carabus (Procerus) gigas in Österreich
  6. 6.Vesović, Ćurčić, Stojanović und Novaković, Acta Entomologica Serbica 31(1), Universität Belgrad (2026): The first record of Carabus (Procerus) scabrosus Olivier, 1790 (Coleoptera: Carabidae) in Serbia
  7. 7.Ratajc, Kapla, Ambrožič Ergaver und Vrezec, ARPHA Conference Abstracts 2 (2019): Distribution changes of Carabus species in Slovenia: historical data analysis
  8. 8.GBIF (Global Biodiversity Information Facility): Carabus gigas Creutzer, 1799
  9. 9.Catalogue of Life: Carabus (Procerus) gigas Creutzer, 1799

Aktualisiert am 6. November 2026