Aztekenmöwe (Leucophaeus atricilla)

Tiere von A bis z
Aztekenmöwe im Prachtkleid mit schwarzer Kapuze und dunkelrotem Schnabel am Strand
Aztekenmöwe (Leucophaeus atricilla) im Prachtkleid in ihrem typischen Lebensraum (KI Generiert)

Zusammenfassung: Aztekenmöwe

Die Aztekenmöwe (Leucophaeus atricilla) ist eine je nach Quelle 36 bis 46 Zentimeter lange Möwe der amerikanischen Küsten. Im Prachtkleid trägt sie eine schwarze Kapuze und einen dunkelroten Schnabel. Wegen ihres englischen Namens Laughing Gull wird sie leicht mit der Lachmöwe verwechselt, einer eig...

Die Aztekenmöwe (Leucophaeus atricilla) ist eine je nach Quelle 36 bis 46 Zentimeter lange Möwe der amerikanischen Küsten. Im Prachtkleid trägt sie eine schwarze Kapuze und einen dunkelroten Schnabel. Wegen ihres englischen Namens Laughing Gull wird sie leicht mit der Lachmöwe verwechselt, einer eigenen Art aus Europa und Asien.

Die Aztekenmöwe brütet an der Atlantikküste der USA von Maine bis Florida, am Golf von Mexiko, in der Karibik und an den Küsten nördlich von Venezuela bis Französisch-Guayana, dazu am Golf von Kalifornien. Im Winter verlässt sie den Norden ihres Brutgebiets und zieht bis an die Nordküste Südamerikas und an der Pazifikküste bis Peru.

Den deutschen Namen Aztekenmöwe führt die Liste Deutsche Namen der Vögel der Erde, die eine Kommission der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft 2020 veröffentlicht hat. Diese Liste folgt in Systematik und wissenschaftlichen Namen der Welt-Vogelliste des Internationalen Ornithologen-Komitees (IOC). Carl von Linné beschrieb die Art 1758 als Larus atricilla; heute steht sie mit der Präriemöwe und drei weiteren amerikanischen Möwen in der Gattung Leucophaeus.

Steckbrief der Aztekenmöwe

  • Stamm: Chordatiere (Chordata)
  • Klasse: Vögel (Aves)
  • Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
  • Familie: Möwen (Laridae)
  • Gattung: Leucophaeus
  • Art: Aztekenmöwe (Leucophaeus atricilla), englisch Laughing Gull
  • Verbreitung: Küsten Nordamerikas von Maine bis Texas, Golf von Kalifornien, Mexiko, Karibik und Küsten nördlich von Südamerika; im Winter bis an die Nordküste Südamerikas und an der Pazifikküste bis Peru
  • Lebensraum: Strände, Salzwiesen, Mangroven, Buchten und Flussmündungen; zur Nahrungssuche auch Häfen, Felder und Mülldeponien nahe der Küste
  • Körpergröße: 36 bis 46 cm Länge, 92 bis 120 cm Flügelspannweite (Werte je nach Quelle)
  • Gewicht: 200 bis 371 g
  • Soziales Verhalten: Gesellig, brütet in Kolonien von wenigen Paaren bis zu mehreren Tausend Nestern und sucht Nahrung oft in Trupps
  • Fortpflanzung: Bodenbrüter in Kolonien, eine Jahresbrut mit zwei bis vier, meist drei Eiern; beide Eltern brüten 20 bis 27 Tage, die Jungen fliegen nach etwa fünf Wochen
  • Schutzstatus: nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN: Least Concern, Bestand zunehmend)

Systematik der Aztekenmöwe

Ordnung
Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Familie
Möwen (Laridae)
Gattung
Leucophaeus
Art
Aztekenmöwe (Leucophaeus atricilla), englisch Laughing Gull

Wie sieht die Aztekenmöwe aus?

Die Aztekenmöwe ist eine schlanke Möwe mit dunkelgrauem Rücken, langen Flügeln und schwarzen Flügelspitzen. Die weißen Flecken, die viele andere Möwen dort tragen, fehlen ihr; nur die Handschwingen haben kleine weiße Spitzen. Weiß sind Hals, Unterseite und Schwanz. Kopf, Schnabel und Beine verändern ihre Farbe mit dem Alter und der Jahreszeit.

KleidKopfRücken und SchwanzSchnabel und Beine
Prachtkleid (Brutzeit)schwarze Kapuze, schmale weiße Bögen über und unter dem AugeRücken dunkelgrau, Schwanz weißSchnabel rot bis dunkelrot, Beine rötlich schwarz bis schwarz
Schlichtkleid (Winter)weiß mit grauem Fleck hinter dem AugeRücken dunkelgrau, Schwanz weißschwärzlich
Erstes Lebensjahrbräunlich, im ersten Winter grau verwaschen, weiße Augenbögenbraun mit hellen Federsäumen, im ersten Winter graue Rückenfedern; Schwanz mit breiter dunkler Endbindeim ersten Winter schwärzlich

Die Aztekenmöwe braucht zwei bis drei Jahre bis zum Alterskleid, Vogelkundler zählen sie deshalb zu den dreijährigen Möwen. Jungvögel sind bräunlich, ihre Flügelfedern tragen helle Säume und wirken dadurch geschuppt. Im ersten Winter wachsen graue Rückenfedern nach, der Schwanz behält eine breite dunkle Endbinde. Im zweiten Winter zeigt die Flügelspitze mehr Schwarz, Hals und Brust sind noch grau verwaschen.

Der wissenschaftliche Artname atricilla setzt sich aus dem lateinischen ater für schwarz und cilla für Schwanz zusammen. Ein schwarzer Schwanz passt aber nur zu jungen Vögeln. Das Nachschlagewerk The Key to Scientific Names hält den Namen deshalb für einen Schreibfehler Linnés, der vermutlich atricapilla, also schwarzköpfig, meinte.

Wie unterscheidet sich die Aztekenmöwe von Lachmöwe und Präriemöwe?

Die Aztekenmöwe unterscheidet sich von der Lachmöwe durch die schwarze statt dunkelbraune Kapuze, den dunkelgrauen statt hellgrauen Rücken und die fast schwarzen statt dunkelroten Beine. Von der kleineren Präriemöwe trennen sie die schwarzen Flügelspitzen ohne weißes Band und die schmaleren weißen Augenbögen.

Die Lachmöwe (Chroicocephalus ridibundus) brütet in Europa und Asien und gehört zu einer anderen Gattung. Ihre braune Kapuze bedeckt nur etwa zwei Drittel des Kopfes, und an der Vorderkante ihres Flügels leuchtet ein weißer Rand. Die Präriemöwe gehört dagegen wie die Aztekenmöwe zur Gattung Leucophaeus. Im Deutschen heißt sie auch Franklinmöwe. Sie hat einen runderen Kopf, einen zierlicheren Schnabel und brütet an Seen der nordamerikanischen Prärie statt an der Küste.

MerkmalAztekenmöweLachmöwePräriemöwe
Länge39 bis 46 cm37 bis 43 cm32 bis 36 cm
Spannweite92 bis 120 cm94 bis 110 cm85 bis 95 cm
Gewicht203 bis 371 g195 bis 325 g230 bis 300 g
Kopf im Prachtkleidschwarz, schmale weiße Augenbögendunkelbraune Kapuze über etwa zwei Dritteln des Kopfesschwarz, breite weiße Augenbögen
Flügelspitzeschwarz, ohne weißes Bandschwarz, weißer Vorderrand am Flügelschwarz, von Grau durch weißes Band getrennt
BrutgebietKüsten AmerikasEuropa und AsienPrärieseen Nordamerikas

Die Maße in der Tabelle stammen für alle drei Arten aus den Bestimmungsseiten des Cornell Lab of Ornithology, damit die Werte vergleichbar bleiben.

Wo lebt die Aztekenmöwe?

Die Aztekenmöwe lebt fast nur an der Küste. Sie brütet auf flachen Inseln, auch auf aufgespülten Sandinseln, in Salzwiesen und an Sandstränden, also an Orten, die Raubtiere vom Land aus kaum erreichen. Zur Nahrungssuche fliegt sie an Strände, in Mangroven, Buchten und Flussmündungen, auf Felder und zu Mülldeponien nahe der Küste.

Das Internationale Ornithologen-Komitee unterscheidet zwei Unterarten. Leucophaeus atricilla megalopterus brütet von Maine bis Florida, am Golf von Mexiko bis Südtexas und am Golf von Kalifornien bis in den mexikanischen Bundesstaat Colima. Die Nominatform Leucophaeus atricilla atricilla brütet auf den Westindischen Inseln, auf Inseln vor Yucatán und nördlich von Venezuela, auf Trinidad und Tobago und bis Französisch-Guayana.

Ob eine Aztekenmöwe zieht, hängt vom Brutort ab. Die Vögel aus Florida bleiben das ganze Jahr, Brutvögel nördlich von North Carolina ziehen nach Mittelamerika und ins nördliche Südamerika. Den Winter verbringt die Art an der Pazifikküste von Südmexiko bis Nordperu und an der Atlantikküste von North Carolina bis zur Amazonasmündung.

Die Aztekenmöwe als Irrgast in Europa: Aus Großbritannien und Irland liegen rund 260 anerkannte Nachweise vor; allein der Hurrikan Wilma trug im November 2005 etwa 70 Vögel über den Atlantik. Für Deutschland meldet die Deutsche Avifaunistische Kommission eine Aztekenmöwe vom 20. und 21. Dezember 2018 in Hamburg als neunten Nachweis.

Wovon ernährt sich die Aztekenmöwe?

Die Aztekenmöwe ist ein Allesfresser und frisst Regenwürmer, Insekten, Schnecken, Krabben, Fische, Kalmare, Beeren, Abfälle und Aas. Gelegentlich raubt sie Eier und Küken anderer Seevögel, etwa von Rußseeschwalben, Noddis und Königsseeschwalben.

Zur Nahrungssuche läuft die Aztekenmöwe am Strand entlang, watet im flachen Wasser oder schwimmt. Im Flug stößt sie nach Beute oder pickt sie von der Wasseroberfläche, fliegende Insekten fängt sie in der Luft. Während der Brutzeit sucht sie auch nachts nach Futter. An der Delaware Bay an der US-Ostküste fressen Aztekenmöwen im Frühjahr vor allem die Eier von Pfeilschwanzkrebsen.

Bekannt ist die Aztekenmöwe für Kleptoparasitismus, also das Stehlen von Beute anderer Vögel. Sie landet auf dem Kopf eines Braunpelikans und schnappt ihm Fische aus dem Kehlsack, oder sie schwebt über einem tauchenden Pelikan und wartet, bis er mit Beute auftaucht.

  • Regenwürmer, Insekten und Schnecken
  • Krabben, Fische und Kalmare
  • Eier von Pfeilschwanzkrebsen im Frühjahr
  • Beeren, Abfälle und Aas
  • Eier und Küken anderer Seevögel
  • Beute, die sie Braunpelikanen abnimmt

Wie brütet die Aztekenmöwe?

Die Aztekenmöwe brütet einmal im Jahr in Kolonien auf Küsteninseln, in Salzwiesen und an Stränden. Die Kolonien reichen nach Angaben des Cornell Lab of Ornithology von wenigen Paaren bis zu 25.000 Paaren. Das Gelege besteht aus zwei bis vier, meist drei Eiern, die beide Eltern abwechselnd bebrüten.

Wie lange die Eier bebrütet werden, geben die Quellen unterschiedlich an: das Cornell Lab mit 22 bis 27 Tagen, die National Audubon Society mit etwa 20 Tagen. Die meisten Aztekenmöwen brüten zum ersten Mal mit drei Jahren, also erst, wenn sie ihr Alterskleid tragen.

  1. Beide Partner bauen das Nest: Das Männchen bringt meist Gras und Zweige, das Weibchen ordnet sie zu einer flachen Mulde oder einer flachen Schale.
  2. Das Weibchen legt zwei bis vier olivfarbene, beige oder braune Eier mit braunen Flecken.
  3. Beide Eltern brüten die Eier je nach Quelle 20 bis 27 Tage lang aus.
  4. Beide Eltern füttern die Küken, die nach etwa fünf Wochen fliegen können.

In der Kolonie ist die Aztekenmöwe laut. Ihr hoher, lang gezogener Ruf klingt wie ein Lachen, daher kommt der englische Name Laughing Gull. Im Flug ruft sie kürzer und fast wie eine Gans.

Ist die Aztekenmöwe gefährdet?

Die Aztekenmöwe ist nicht gefährdet. Die Weltnaturschutzunion IUCN führt sie seit ihrer letzten Bewertung vom 8. August 2018 als Least Concern, also als nicht gefährdet, mit zunehmendem Bestand. Das Cornell Lab of Ornithology nennt nach dem North American Waterbird Conservation Plan von 2002 rund 528.000 bis 538.000 Brutvögel in Nordamerika; eine aktuelle Zahl für den Weltbestand gibt es nicht.

Ende des 19. Jahrhunderts löschten Eiersammler und Jäger, die Federn für Damenhüte lieferten, viele Kolonien im Nordosten der USA fast aus. Nachdem die Art gesetzlich geschützt wurde, erholte sich der Bestand. Im Norden des Brutgebiets machen heute größere Möwenarten der Aztekenmöwe manche Brutplätze streitig.

Häufig gestellte Fragen zur Aztekenmöwe

Ist die Aztekenmöwe dasselbe wie die Lachmöwe?

Nein, die Aztekenmöwe (Leucophaeus atricilla) und die Lachmöwe (Chroicocephalus ridibundus) sind zwei Arten aus verschiedenen Gattungen. Die Aztekenmöwe lebt an den Küsten Amerikas, die Lachmöwe in Europa und Asien. Verwechselt werden sie, weil der englische Name der Aztekenmöwe Laughing Gull lautet.

Kommt die Aztekenmöwe in Deutschland vor?

Die Aztekenmöwe kommt in Deutschland nur als sehr seltener Irrgast vor. Die Deutsche Avifaunistische Kommission hat einen Vogel vom Dezember 2018 in Hamburg als neunten Nachweis für Deutschland anerkannt. Häufiger erreichen Aztekenmöwen Großbritannien und Irland; allein der Hurrikan Wilma trug im November 2005 etwa 70 Vögel dorthin.

Wie groß wird eine Aztekenmöwe?

Eine Aztekenmöwe wird je nach Quelle 36 bis 46 Zentimeter lang und hat eine Flügelspannweite von 92 bis 120 Zentimetern. Sie wiegt 200 bis 371 Gramm und ist damit etwa so groß wie eine Krähe.

Wie viele Eier legt die Aztekenmöwe?

Die Aztekenmöwe legt zwei bis vier, meist drei Eier. Beide Eltern bebrüten das Gelege je nach Quelle 20 bis 27 Tage lang, und die Jungvögel fliegen nach etwa fünf Wochen.

Wie stiehlt die Aztekenmöwe Braunpelikanen Fische?

Die Aztekenmöwe landet auf dem Kopf eines Braunpelikans und schnappt den Fisch aus seinem Kehlsack. Oder sie schwebt über einem tauchenden Pelikan und wartet, bis er mit Beute auftaucht. Fachleute nennen das Stehlen von Beute anderer Tiere Kleptoparasitismus.

Quellen

  1. Deutsche Namen der Vögel der Erde (Barthel et al. 2020), Vogelwarte 58, S. 51, Deutsche Ornithologen-Gesellschaft, abgerufen am 13. September 2026
  2. IOC World Bird List 15.2: Noddies, skimmers, gulls, International Ornithological Committee, abgerufen am 13. September 2026
  3. Laughing Gull Identification, Cornell Lab of Ornithology, All About Birds, abgerufen am 13. September 2026
  4. Laughing Gull Life History, Cornell Lab of Ornithology, All About Birds, abgerufen am 13. September 2026
  5. Laughing Gull, Guide to North American Birds, National Audubon Society, abgerufen am 13. September 2026
  6. Larus atricilla, The IUCN Red List of Threatened Species (BirdLife International 2018), IUCN, abgerufen am 13. September 2026
  7. Laughing and Franklin's Gulls photo ID guide, BirdGuides, abgerufen am 13. September 2026
  8. Seltene Vogelarten in Deutschland 2018, Deutsche Avifaunistische Kommission, Dachverband Deutscher Avifaunisten, abgerufen am 13. September 2026

Stand: 13. September 2026

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