Die Blindwühlen (Gymnophiona) sind eine der drei Ordnungen der Amphibien und zugleich die am wenigsten bekannte. Äußerlich erinnern sie an Regenwürmer oder Schlangen, mit denen sie jedoch nicht verwandt sind. Weltweit sind bislang rund 220 Arten beschrieben; Wissenschaftler gehen davon aus, dass noch viele weitere unentdeckt sind.
Blindwühlen besitzen weder Vorder- noch Hinterbeine – als einzige Amphibiengruppe haben sie im Laufe der Evolution alle Gliedmaßen vollständig verloren. Sie sind überwiegend grabend und unterirdisch lebend, einige Arten jedoch vollständig aquatisch. Ihr Körper ist mit feinen Ringfalten (Annuli) bedeckt, die ihnen ein segmentiertes Aussehen verleihen.
Die Augen sind stark rückgebildet und häufig von Haut oder Knochen bedeckt, sodass die Tiere allenfalls Hell und Dunkel unterscheiden können. Ein besonderes Merkmal sind die kleinen, einziehbaren Tentakel seitlich am Kopf zwischen Auge und Nasenöffnung, die als chemische Sinnesorgane dienen und bei der Nahrungssuche und Orientierung eine wichtige Rolle spielen.
Trotz ihrer Unscheinbarkeit sind Blindwühlen biologisch hochinteressant: Manche Arten bilden Hautgifte, ihre Fortpflanzungsbiologie ist ausgesprochen vielfältig, und ihre evolutionäre Geschichte reicht bis in den frühen Jura vor rund 200 Millionen Jahren zurück.
Viele Arten sind in ihrem Bestand bedroht, weil ihr Lebensraum – feuchte Tropenwälder und Böden – durch Abholzung, intensive Landwirtschaft und Entwässerung zerstört wird. Da sie sehr verborgen leben, sind belastbare Bestandszahlen für die meisten Arten nicht vorhanden.
Blindwühle Fakten
- Klasse: Amphibia
- Ordnung: Gymnophiona
- Familie: Caeciliidae (Beispielfamilie)
- Gattung: Caecilia
- Art: Caecilia tentaculata
- Verbreitung: tropische Regionen Amerikas, Afrikas, Süd- und Südostasiens
- Lebensraum: feuchte Böden, Laub- und Regenwälder, Fließgewässer (je nach Art)
- Körperlänge: ca. 10 cm bis über 1,5 Meter
- Gewicht: wenige Gramm bis ca. 1 kg (je nach Art)
- Soziales und Rudel-Verhalten: Einzelgänger
- Fortpflanzung: ovipar oder vivipar, je nach Art
Systematik Blindwühle
Äußerliche Merkmale von Blindwühle
Blindwühlen haben einen walzenförmigen, vollständig gliedmaßenlosen Körper. Die Körperlänge variiert je nach Art zwischen etwa 10 cm und über 1,5 Meter bei den größten bekannten Arten wie Caecilia thompsoni. Die Haut ist feucht, glatt und weich; charakteristisch sind die ringförmigen Hautfalten (Annuli), die dem Körper ein segmentiertes Aussehen verleihen. Die Hautfarbe reicht je nach Art von grau und braun über blau-schwarz bis hin zu gelb oder orange-gestreift.
Die Augen sind stark rückgebildet und oft von Haut oder sogar Knochen überlagert. Blindwühlen können daher meist nur Helligkeitsunterschiede wahrnehmen. Unmittelbar neben dem Auge oder der Nasenöffnung befinden sich die einziehbaren Tentakel – ein einzigartiges Sinnesorgan, das bei keiner anderen Amphibiengruppe vorkommt. Beine oder Gliedmaßenansätze fehlen vollständig und auch äußerlich.
Lebensraum und Herkunft
Blindwühlen sind ausschließlich in tropischen und subtropischen Regionen heimisch. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst Mittel- und Südamerika, das tropische Afrika, Süd- und Südostasien sowie einige Inseln des Indischen Ozeans. Sie fehlen vollständig in Europa, Nordamerika (nördlich Mexikos), Australien und den gemäßigten Zonen.
Die meisten Arten leben grabend im Erdboden feuchter Wälder; einige Arten sind vollständig aquatisch und bewohnen Flüsse und Bäche. Fossile Funde belegen, dass die Vorläufer der Gymnophiona bereits im frühen Jura (vor ca. 200 Millionen Jahren) existierten, womit sie zu den ältesten lebenden Amphibienlinien gehören.
Verhalten von Blindwühle
Blindwühlen sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Als Fleischfresser ernähren sie sich hauptsächlich von Regenwürmern, Termiten, kleinen Eidechsen und anderen Bodentieren. Bei der Nahrungssuche verlassen sie sich vor allem auf ihre chemischen Sinne: Die Tentakel nehmen Geruchsstoffe aus der Umgebung auf und leiten sie an das Jacobsonsche Organ weiter.
Über das Sozialverhalten ist vergleichsweise wenig bekannt, da Blindwühlen extrem heimlich und schwer zu beobachten sind. Die meisten Arten gelten als Einzelgänger, die ihren Artgenossen außerhalb der Paarungszeit aus dem Weg gehen.
Paarung und Brut
Die Fortpflanzungsbiologie der Blindwühlen ist unter den Amphibien außergewöhnlich vielfältig. Eierlegende (ovipare) Arten legen ihre Eier in feuchten Erdhöhlen ab; das Weibchen bewacht den Gelegeklumpen häufig aktiv und hält ihn durch Körperkontakt und Hautsekrete feucht. Die Larven mancher Arten schlüpfen bereits als vollständig metamorphosierte Jungtiere.
Lebendgebärende (vivipare) Arten entwickeln die Embryonen vollständig im Mutterleib. Die Jungen ernähren sich dort von einer nährstoffreichen Sekretion der Gebärmutterwand (Uterinmilch) sowie von spezialisierten Hautzellen der Mutter. Bei der Geburt sind die Jungtiere bereits voll entwickelte Miniaturausgaben der Elterntiere.
Gefährdung
Viele Blindwühlenarten werden von der IUCN als gefährdet, stark gefährdet oder datenmangelhaft eingestuft. Hauptbedrohungen sind die Zerstörung tropischer Wälder und Feuchtgebiete, die Intensivierung der Landwirtschaft sowie die Entwässerung von Böden. Da Blindwühlen sehr verborgen leben und methodisch schwer zu erfassen sind, ist der genaue Bestand der meisten Arten unbekannt – was eine gezielte Schutzplanung erschwert.
