Über die Lebensweise der Malaienbären in freier Wildbahn gibt es nur wenige gesicherte Erkenntnisse. Als sicher gilt, das Malaienbäre nachtaktive Tiere sind,
die den Tag in einem sicheren Versteck verschlafen. Ebenso gilt als gesichert, daß der Bär ein Allesfresser ist und sein Speiseplan entsprechend abwechslungsreich ist.
Die Tiere fressen neben Früchten aller Art auch Palmenschößlinge, kleine Echsen, Vogeleier oder auch Honig. Seine kräftigen, mit Krallen bewehrten Vordertatzen
reißen Bienennester mühelos auf und seine ungewöhlich lange Zunge kann dann den Honig leicht herausholen. Sein verhältnismäßig geringes Gewicht, der Malaienbär
ist der kleinste aller Großbärenarten (Ursidae), ermöglicht dem Tier auch regelmäßige Besuche in den Kronen der Regenwaldbäume, um auch dort nach Nahrung zu suchen.
Gesicherte Zahlen über die Größe des Gesamtbestandes von Malaienbären gibt es nicht. Trotzdem geht man davon aus, das die Tiere von Jahr zu Jahr weniger werden.
Dies hat mehrere Ursachen. Zum einen wird sein Lebensraum durch Abholzen der Regenwälder ständig kleiner. Zum anderen hat der Bär einen schlechten Ruf als "Ernteschädling".
In waldnahen Pflanzungen kann so ein Bär natürlich erheblichen Schaden anrichten. Hinzu kommt, daß der Bär als das gefährlichste Raubtier Südostasiens gilt.
Natürlich greift ein Malaienbär, wenn er auf seinem Schlafplatz überrascht wird oder sich in die Enge getrieben fühlt ohne zu zögern an, versucht aber, wie die meisten
Wildtiere, den Kontakt mit Menschen zu vermeiden. Nichts desto trotz wird der Malaienbär in der Nähe von menschlichen Siedlungen erschossen, so wie er sich zeigt.
Ein weiterer Aspekt, der die Bestände der Bären stark dezimiert, ist die sogenannte traditionelle chinesische Medizin (TCM). In dieser von Aberglauben behafteten Form
von Naturheilkunde werden verschiedenen Körperteilen des Bären heilende Kräfte nachgesagt. Speziell die Gallenblase ist sehr gefragt, da diese in Japan und Südkorea
zur Stärkung der Manneskraft eingesetzt wird. Obwohl keinerlei medizinsche Wirkung nachgewiesen werden kann, hält sich dieser Aberglaube in Südostasien und führt
unweigerlich zu hohen Abschußquoten und damit zur Gefährdung der Art. Der Malaienbär ist zwar im Anhang I des Washingtoner Artenschutzabkommens aufgeführt, wodurch der Handel
mit diesen Tieren zwischen den Unterzeichnerstaaten strikt untersagt ist, aber dies nützt dem Tier wenig. Die vermutlich größte Population lebt in Laos und dessen Regierung hat
dieses Abkommen nie unterzeichnet. Daher sind Jagd, Fang und Ausfuhr der herrlichen Tiere in Laos vollkommen legal. Da aber gerade Laos zu den ärmsten Staaten der Region zählt,
ist mit einem echten Schutz der Bären in nächster Zukunft wohl nicht zu rechnen.
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