Massentötung von Igeln soll Watvögel retten
Quelle: New Scientist

Über 5000 Igel sollen nach Plänen der Naturschutzbehörde Scottish National Heritage (SNH) auf den äußeren Hebriden westlich von Schottland getötet werden. Diese Maßnahme ist nach Auffassung der Naturschutzbehörde der einzige Weg, die Populationen verschiedener Watvogelarten zu erhalten. Welch fürchterliche Folgen die Einführung einer neuen Art in ein geschlossenes biologisches System wie auf den Inseln South Uist und Benbecula hat, zeigt die Vorgeschichte.

1974 brachte ein Gärtner vier Igel auf die Inseln, um sie zur Schädlingsbekämpfung einzusetzen. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es auf den Inseln keine Igel. Seit dieser Zeit sind aus den vier Tieren über 5000 geworden. Mit dem Anwachsen der Igelpopulation gingen die Bestände verschiedener Watvögel drastisch zurück. In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts schätzte man die brütenden Watvögel auf etwa 17.000 Paare. Mittlerweile sind die Bestände um bis zu 60% zurückgegangen. Dies ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß Igel neben Schnecken und Insekten auch Vogeleier von Bodenbrütern schmackhaft finden.

Erste Versuche, die Brutgebiete der Vögel mit Elektrozäunen zu schützen, verliefen nicht so erfolgreich wie erhofft. Zwar können die Igel die Zäune nicht ohne Hilfe überwinden, aber Kaninchen gruben sich immer wieder unter den Absperrungen durch und schafften so Zugänge zu den Brutkolonien.

Nach Meinung der Naturschutzbehörde (SNH) ist die einzig praktikable Lösung, die Igel zu töten. Damit treffen die Verantwortlichen aber auf heftigen Widerstand. Igel sind in der Bevölkerung beliebte Tiere und so haben sich natürlich Tierrechtsorganisationen gefunden, die lautstark gegen die Massentötung argumentieren. Eine praktikable Alternative konnten die Tierschützer allerdings auch nicht bieten.