Wenn biologische Unkrautbekämpfung aus dem Ruder läuft
Quelle: University of Nebraska
Häufig meint der Mensch, mit der Einführung einer neuen Tierart könnte er die Natur steuern. Wie sich die bewußte Einbürgerung eines europäischen Rüsselkäfers in den USA rächt, zeigt das jüngste Beispiel.

Der Rüsselkäfer Larinus Planus wurde in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts an 26 Orten in Colorado ausgesetzt. Der Käfer sollte die dort überhand nehmende Kanadische Distel bekämpfen. Die Pflanze stammt, trotz ihres irreführenden Namens, aus Europa und verbreitet sich in den USA gerne auf landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Der Rüsselkäfer sollte die ultimative Waffe gegen die Distel sein. Während die Larven sich von Blüten und Samen ernähren, fressen erwachsene Käfer die Blätter der Pflanze.

Welch eklatante Fehlentscheidung der Einsatz des Käfers war, dokumentieren jetzt Svata Louda von der University of Nebraska und Chrales O'Brien von der Florida A & M University. Hunderte von Distelproben zeigen, daß der Käfer seinen Appetit geändert hat und nun die amerikanische Variante der Distel bevorzugt, während er die Kanadische Distel weitgehend verschmäht. Dadurch ist die amerikanische Distel mittlerweile gewaltig unter Druck geraten. Die Larven vernichten nach Aussage der Wissenschaftler 98 Prozent der Distel-Samen.

"Unsere Ergebnisse führen zu dem Schluß, daß die Verbreitung von Larinus Planus gestoppt werden sollte", so Louda. "Zum Schutz unserer einheimischen Pflanzen sollten ähnliche Einschränkungen auch für andere Insekten in Betracht gezogen werden, insoweit diese zur biologischen Bekämpfung von Unkräutern eingesetzt werden" schreiben Louda und O'Brien in der Juni-Ausgabe des Magazins "Conservation Biology".