Der hohe Norden wird immer grüner
Quelle: bild der wissenschaft online
Der Beginn der Vegetationszeit im Frühling rückt in den hohen nördlichen Breiten immer weiter nach vorne. In Kanada, Sibirien und dem nördlichen Europa und Asien hat die Vegetation in den letzten 20 Jahren insgesamt zugenommen. Ein internationales Forscherteam, darunter Wolfgang Lucht vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Colin Prentice vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie, hat jetzt mit einer Computersimulation nachgewiesen, dass die Vegetation damit auf die Klimaerwärmung reagiert. Die Forscher präsentieren ihr Ergebnis im Fachmagazin Science (Bd. 296, S. 1687).

In den letzten 20 Jahren ist die Durchschnittstemperatur in den hohen nördlichen Breiten um 0,8 Grad Celsius angestiegen. Während des gleichen Zeitraums hat dort die Vegetation zugenommen und die jährliche Vegetationszeit hat sich um einige Tage verlängert. Das zeigen Satellitenbeobachtungen. Mit ihrem Computermodell, das das Wachstum der Pflanzen abhängig vom Klima simuliert, konnten die Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen aufzeigen.

Das Modell beschreibt auch einen Rückgang der Vegetationsaktivität in den Jahren 1992 und 1993 korrekt. Dieser Rückgang war eine Folge des Ausbruchs des philippinischen Vulkans Mount Pinatubo im Juni 1991. Die in die Stratosphäre, der Atmosphärenschicht ab etwa 11 Kilometer Höhe, gelangten Aschepartikel verursachten in den beiden Folgejahren weltweit eine Abkühlung der Atmosphäre.

Bisher ungeklärt war, wieso die nördliche Vegetation trotz dieses Einbruchs der Atmosphäre weiterhin das Treibhausgas Kohlendioxid entzog und speicherte. Das Computermodell zeigt nun, dass die Pflanzen während dieser zwei Jahre zwar weniger Kohlendioxid aufnahmen. Wegen der niedrigeren Temperaturen verlief der Zersetzungsprozess der abgestorbenen Pflanzenteile aber auch langsamer, wodurch dann auch weniger Kohlendioxid an die Atmosphäre abgegeben wurde.

Die Sommer in den nördlichen Breiten sind relativ kühl und kurz. Deshalb reagiert die Vegetation hier besonders schnell und ausgeprägt auf Klimaveränderungen. Weil die nördlichen Breiten fast ein Viertel der kontinentalen Erdoberfläche ausmachen, ist es für die Wissenschaftler wichtig, die Reaktion ihrer Vegetation auf die für die Zukunft erwartete Klimaerwärmung zu verstehen.