| Flutkatastrophe im Himalaya: Gletscherseen drohen zu brechen |
| Quelle: bild der wissenschaft online |
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Wissenschaftler, die für das United Nations Enviroment Program (UNEP) und das International Centre for Integrated Mountain Development (ICIMOD) arbeiten, berichten über eine drohende Flutkatastrophe im höher gelegenen Himalaya-Gebiet: mehr als 40 Gletscherseen in Bhutan und Nepal könnten brechen und mehrere Zehntausend Menschenleben gefährden. Bei dem als besonders gefährdet geltenden See Tsho Rolpa soll der Wasserspiegel deshalb um etwa 30 Meter gesenkt werden.
Für das verstärkte Abschmelzen der Gletscher und Schneefelder, die die Gletscherseen speisen, ist nach Meinung der Wissenschaftler ein markanter Temperaturanstieg in der Zone verantwortlich.
Laut UNEP zeigen die Daten von vierzig napalesischen Überwachungssystemen, dass die Lufttemperatur in den höher gelegenene Himalaya-Gebieten seit 1970 jährlich um etwa 0,06 Grad Celsius gestiegen ist. Die Überwachung der Gletscherseen begann 1999 und basiert neben der Bodenüberwachung vor allem auf Luft- und Satellitenaufnahmen. Diese zeigen, dass sich die Gletscher in Bhutan jedes Jahr um etwa dreißig bis vierzig Meter zurückziehen. Beim Gletscher Tradkarding, der den Tsho Rolpa-See speist, konnte im letzten Jahr sogar ein Rückgang von etwa hundert Metern beobachtet werden. Zusätzlich gäbe es Hinweise darauf, dass sich in den letzten dreißig Jahren die Anzahl der Gletscherseeausbrüche erhöht hat. Bei der Entstehung eines Gletschersees bestehen dessen Boden und die Ränder aus Eis. Durch das fortschreitende Abschmelzen des Gletschers vergößern sich - wie Luftaufnahmene belegen - dessen Ausmaße und es bilden sich eine Vielzahl neuer Seen. Die Berandungen dieser Seen bestehen aus Schutt und Geröll und können durch Erschütterungen, wie sie Erdbeben oder Lawinenabgänge auslösen, brechen. Die Folge ist eine Flutwelle, die talabwärts rauscht und alles zerstört, was sich ihr in den Weg stellt. Surendra Shrestha, regionaler Koordinator der UNEP's Division of Early Warning and Assessment in Asien, sagte, dass Bodenuntersuchungen und Satellitenaufnahmen darauf hinweisen, dass jeder der 44 gefährdeten Seen trotz Hilfsmaßnahmen in fünf bis zehn Jahren brechen könnte. "Dieses sind die Seen, bei denen wir die Gefahr kennen. Wer weiss, wie viele andere Seen, irgendwo im Himalaya oder in der Welt, im gleichen kritischen Zustand sind?" Erste Hilfsmaßnahmen wurden unterdessen eingeleitet: beim See Tsho Rolpa, der sich - so die Wissenschaftler - seit Ende der 1950er Jahren um das Sechsfache vergrößert hat, soll durch Absenken des Wasserspiegels das Brechen der Berandungen und damit eine Flutkatastrophe verhindert werden. Shrestha und seine Team leisten aber nicht nur erste Hilfe, sondern entwickelten zusätzlich eine Art Frühwarnsystem, dass den See mit den betroffenen Dörfern verbindet. Allerdings muss, so Shrestha, viel mehr getan werden. "Die Lösung des Problems ist sehr kostspielig, denn die Gletscherseen liegen in sehr abgelegenen Gegenden, die sehr schwer zu erreichen sind." |