| Dauergift außer Kontrolle geraten |
| Quelle: Greenpeace |
|
"Ob Tomaten, Äpfel, Brot
oder Bier, in offenbar all unseren Lebensmitteln
steckt das Dauergift Nonylphenol", kommentiert
Greenpeace-Chemieexperte Manfred Krautter die
Ergebnisse einer am Montag veröffentlichten Studie
des Forschungszentrums Jülich. Erstmals
untersuchten Wissenschaftler eine Vielzahl von
Lebensmitteln auf das Dauergift Nonylphenol. Die
Ergebnisse sind alarmierend.
In den verschiedensten untersuchten Waren und in Muttermilch fanden die Forscher erhebliche Konzentrationen der gefährlichen Chemikalie. "So alarmierend und überraschend die Ergebnisse sind, wundern darf man sich nicht", erklärt Krauter weiter. "Denn die gefährlichen Substanzen werden in Pestiziden und Alltagsprodukten eingesetzt, aus denen der Stoff sich auf die Lebensmittel überträgt."
Nonylphenol ist
giftig, schwer abbaubar und wirkt im menschlichen Körper wie
ein Hormon. Es kann Allergien auslösen und das Sexualhormonsystem
beeinträchtigen. Anfang der 90er Jahre entdeckte man, dass die
Chemikalie wie das Hormon Östrogen wirkt. Bei Forellen konnten
sogar Veränderungen der Geschlechtsmerkmale festgestellt werden.
Nonylphenol reichert sich in Fischen an. Weiter wird vermutet, dass
Dauergifte wie Nonylphenol Krebs, Schäden am Immunsystem und
einen Rückgang der Spermienzahl bewirken können.
Nonylphenol gehört zu der Gruppe der so genannten Großchemikalien. Von Ihnen werden weltweit jährlich etwa 650.000 Tonnen hergestellt. Allein in der Europäischen Union werden pro Jahr 80.000 Tonnen Nonylphenol produziert. Zu finden ist die Substanz vor allem in Reinigungs- und Desinfektionsmitteln, Lebensmittel-Verpackungen (PVC-Folien), Pestiziden, Druck- und Wandfarben und Chemikalien zur Rohöl-Förderung. Ebenso stecken sie in Spielzeug, Bodenbelägen, Computern und in Duschgels. Viele Dauergifte stehen auf Schwarzen Listen der EU und deutscher Behörden. Unternommen wurde aber trotzdem nichts, um Mensch und Umwelt wirksam zu schützen. Auch die übliche Selbstverpflichtung der Industrie, den Einsatz von Nonylphenol zu verringern, brachte nichts. Die Chemieindustrie war nicht fähig, die von ihnen produzierten Dauergifte unter Kontrolle zu halten. "Die Ergebnisse der Jülicher Forscher zeigen deutlich, dass wir eine grundlegende Reform des Chemierechts brauchen. Die Bundesregierung und die EU müssen dringend wirkungsvolle Schutzmaßnahmen ergreifen, damit Nonylphenol nicht mehr in Umwelt, Lebensmittel und Konsumprodukte gelangt", fordert Krautter. |