| Wie das Chamäleon seine Schleuderzunge bedient |
| Quelle: bild der wissenschaft online |
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(15.04.2002) Blitzartig schießt die Zunge des Chamäleons heraus und fängt sein Opfer - mit dem 50-fachen der Erdbeschleunigung. Den Mechanismus, der es vielen Tieren erlaubt, ihre Zunge in Sekundenbruchteilen herauszuschleudern, erhellen neue Forschungsarbeiten, die auf der Konferenz der Society for Experimental Biology in Swansea präsentiert wurden.
Johann van Leuwen von der Wageningen Universität in Holland vermutet eine spezielle Mechanik weicher Körperteile hinter der bemerkenswerten Eigenschaft. An der Zunge des Chamäleons und anderer Tiere konnte der Forscher zeigen, dass die Bewegung auf dem Zusammenwirken von Muskelfasern und Flüssigkeitstaschen in der Zunge beruht. Die Muskelfasern bilden ein Netzwerk um die Flüssigkeitstaschen. Gemeinsame Kontraktion der Fasern macht die Zunge dünner und schmaler und zwingt die Flüssigkeitstaschen sich in Richtung Opfer auszudehnen – die Zunge schießt heraus. Der Wissenschaftler setzte bei seinen Untersuchungen Hochgeschwindigkeitsaufnahmen ein und berechnete mit einem Computermodell präzise die Bewegung der Zunge. Der Grund, dass wir mit unseren Zungen nicht ähnliches anstellen können, liegt in einem anderen Aufbau. In den Muskelfasern finden sich sogenannte Aktin- und Myosinfilamente. Bei der Muskelkontraktion ziehen die Myosinfilamente die Aktinfilamente an sich vorbei und der Muskel verkürzt sich. Beim Menschen sind die Muskelfasern länger. Dadurch bilden sich viele Bindungen zwischen den Filamenten aus, was zu einem kräftigen System führt. Beim Chamäleon hingegen sind die Fasern kürzer. Damit gibt es weniger Bindungen zwischen den Aktin- und Myosinfilamenten und die Zunge ist flexibler: Die Kraft der Zunge ist im Vergleich mit dem Menschen reduziert, aber die Geschwindigkeit erhöht. Den gleichen Mechanismus fand Johann van Leuwen bei den Tentakeln des Tintenfisches. Dieser kann seine Tentakeln in nur 20-30 ms um etwa 80 % ausdehnen. Hier finden Sie Hochgeschwindigkeitsaufnahmen wie der Schleuderzungensalamander seine Opfer verspeist. Ob der Salamander den gleichen Mechanismus wie das Chamäleon einsetzt, berichtet Johann van Leuwen aber nicht. |