Regenwälder sind keine Kohlendioxid-Senken
Quelle: bild der wissenschaft online
(11.04.2002) Tropische Regenwälder setzen so viel Kohlendioxid frei, wie sie aufnehmen. Dies haben Forscher aus den USA und Brasilien entdeckt. Die Fachzeitschrift Nature veröffentlicht die Aufsehen erregenden Ergebnisse in ihrer Ausgabe vom 11. April.

Jeffrey Richey von der University of Washington und seine brasilianischen Kollegen erforschten den Kohlenstoff-Kreislauf des Amazonas-Regenwaldes. Als sie die gewonnenen Daten auswerteten, zeichnete sich ein überraschendes Bild ab. Die zahlreichen Flüsse und Überschwemmungsgebiete des Regenwaldes entlassen dreimal mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre, als bisher vermutet.

Rund 900 Millionen Tonnen Kohlenstoff setzen die Gewässer tropischer Wälder weltweit jährlich frei. Dies entspricht einem Fünftel des menschlich verursachten Kohlendioxid-Ausstosses. Die Kohlenstoff-Bilanz der Regenwälder gleicht sich damit aus: Sie nehmen ebensoviel von dem Treibhausgas Kohlendioxid auf, wie sie abgeben.

Der Kohlenstoff-Kreislauf läuft folgendermaßen ab: Die Vegetation verwandelt Kohlendioxid in Biomasse (Holz, Früchte etc.) und setzt Sauerstoff frei. Regen und Überschwemmungen spülen etwa abgestorbenes Holz und Blätter in die Flüsse. Dort zersetzen Fische, Insekten und Bakterien die tote Biomasse und erzeugen dabei Kohlendioxid. Nur drei Zehntel des Treibhausgases erreichen mit dem Fluss das Meer, der Rest entweicht in die Atmosphäre.

Die Kalkulationen basieren auf Gewässeruntersuchungen und Satellitenbildern des "NASA Large-Scale Biosphere Atmosphere Projects". Mit Hilfe der Aufnahmen konnten die Forscher erstmals die Wasserflächen des Amazonasbeckens berechnen.