Europäische Fischer vernichten Kaltwasserriffe
Quelle: Greenpeace
Gerne profilieren sich europäische Staaten mit Forderungen nach einem verbesserten Schutz für tropische Riffe. Im Nordatlantik fallen derweil die letzten Kaltwasserriffe den Beutezügen der eigenen Fangflotten zum Opfer.

Europäische Fischer zerstören mit ihren Grundschleppnetzen die über 4.500 Jahre alten Korallenriffe vor den Küsten Norwegens, Schottlands und Irlands. Britische Forscher fanden heraus, dass die Fischtrawler mit ihren schweren Netzen kilometerlange Schneisen in die einzigartigen Kaltwasserriffe pflügen. "Die Korallen werden diese Behandlung nicht ewig überstehen", warnte Jason Hall-Spencer von der Universität Glasgow gegenüber der BBC.
Seit Urzeiten wachsen die seltenen Riffe an den Kontinentalrändern im Nordatlantik in Tiefen von 200 bis zu 1.300 Metern. Weil die hochtechnisierten Fangflotten die küstennahen Gewässer bereits nahezu vollständig leergefischt haben, dehnen sie ihre Jagd zunehmend auch auf die offene See aus. Ein Fischtrawler kann in einer 15-tägigen Ausfahrt mehr als 30 Quadratkilometer Riff-Fläche zerstören, beklagen die Meereswissenschaftler. Da die Korallen extrem langsam wachsen, können sie sich von den schweren Schäden kaum erholen.
Vor Norwegen sind bereits mehr als die Hälfte der einst vorhanden Kaltwasserriffe verschwunden, und vor den Küsten Schottlands und Irlands sieht es vermutlich nicht besser aus. "Die industrielle Fischerei zerstört die marine Umwelt", warnt Stephen Tondale, Geschäftsführer von Greenpeace Großbritannien. "Die neuen Forschungsergebnisse bestätigen aufs Neue die dringende Notwendigkeit zum effektiven Schutz der sensiblen Ökosysteme im Nordatlantik."