Graue Eichhörnchen booten ihre roten Artgenossen aus
Quelle: bild der wissenschaft online
In Italien verdrängen nordamerikanische graue Eichhörnchen (Sciurus carolinensis) die einheimischen roten Eichhörnchen (Sciurus vulgaris), indem sie deren Vorratslager plündern. Dies berichten Wissenschaftler der Arbeitsgruppe um Luc Wauters von der Universität Insubria in Varese, Italien in der aktuellen Ausgabe von "Behavioral Ecology and Sociobiology".
Ein italienischer Politiker brachte 1948 vier graue Eichhörnchen von einem Amerikabesuch mit. Seitdem wächst die Population stetig, rote Eichhörnchen dagegen gibt es immer weniger. Den Parapoxvirus - ein Pockenvirus - der in Großbritannien die roten Eichhörnchen dezimiert, gibt es in Italien nicht. Deshalb zogen die italienischen Verhaltensökologen andere Mechanismen in Betracht. Dazu gehörten vor allem Aggression und Konkurrenz um Lebensraum und Nahrung.
Tatsächlich beobachteten sie graue Eichhörnchen, wie sie Nüsse und Samen aus den Verstecken der roten stahlen. Überlappten die Territorien beider Arten, konnten die roten Eichhörnchen nur auf zwei Drittel ihrer Vorräte zurückgreifen. Dadurch verloren sie erheblich an Gewicht. Normalerweise decken sie im Winter 50 Prozent ihres Energiebedarfs durch im Herbst gehortete Nahrung.
Wauters erklärt, dass besonders die Weibchen unter dem Nahrungsmangel litten. Gesunde Tiere könnten zweimal im Jahr Junge zur Welt zu bringen. Sind die Weibchen jedoch unterernährt haben sie nicht genug Energie, im Frühjahr zu werfen.
In Großbritannien hat das nordamerikanische Eichhörnchen das heimische europäsiche Eichhörchen längst überrant: auf 66 graue kommt nur noch ein rotes.
Die Verquickung der beiden Arten ist sehr kompliziert und unterliegt regionalen Einflüssen. "Deshalb ist dies eine sehr elegante Erklärung für die Verdrängung der roten durch die grauen Eichhörnchen - zumindest für Italien", so Steven Rushton, Ökologe an der University of Newcastle upon Tyne, Großbritannien. Er meint, das Problem beträfe in Zukunft alle bewaldeten Teile Mittel- und Südeuropas, da sich das nordamerikanische Eichhörnchen dort überall wohl fühle.