Mensch hat Stickstoffhaushalt der Wälder radikal verändert
Quelle: bild der wissenschaft online
In unberührten Wäldern wie in Argentinien oder Chile liegt der Stickstoff fast ausschließlich an Kohlenstoff gebunden vor. In vom Menschen stark beeinflussten Ökosystemen auf der Nordhalbkugel tritt er hingegen vor allem in seiner anorganischen Form auf, beispielsweise als Nitrat und Ammoniak. Über dieses überraschende Ergebnis berichten Steven Perakis und Lars Hedin von der Cornell University in Ithaca, USA, im Wissenschaftsjournal "Nature" in seiner Online-Ausgabe.
Ihr Ergebnis stellt bisher gültige Theorien über den Stickstoffkreislauf in temperierten Wäldern in Frage. Diese beruhen auf Stickstoffmessungen, die auch den Stickstoffeintrag durch Düngung oder Luftverschmutzung beeinhalten.
Die Wissenschaftler nahmen Wasserproben von einhundert Waldbächen aus gering besiedelten Gebieten im Süden Chiles und Argentiniens und untersuchten sie auf ihren Gehalt und die Form des vorliegenden Stickstoffs. Mehr als 75 Prozent des Stickstoffs lag in organischer Form vor. In Wasserproben aus Bächen im Osten der USA war Nitrat mit bis zu 86 Prozent der Hauptbestandteil.
Dieses Ergebnis stellt sozusagen die Vorstellung vom Stickstoffkreislauf in unseren Wäldern auf den Kopf. Bisher wurde immer angenommen, dass der Stickstoff überwiegend in der anorganischen Form vorkommt. Wahrscheinlich nahm aber die Menge des anorganischen Stickstoffs in den Wäldern erst während der vergangenen hundert Jahre durch den Einfluss des Menschen so dramatisch zu. Vor allem durch Stickstoffdüngung und durch die Stickoxide in der Luft wird Stickstoff in die Wälder eingetragen. "Durch das Ergebnis wird deutlich, wie sehr die Umweltverschmutzung die nördlichen Ökosysteme beeinflusst hat" erklärte Bridget Emmett vom Centre for Ecology and Hydrology in Bangor, Wales gegenüber Nature.