Plutonium in der Scheune
Quelle: Greenpeace
Auf dem Gelände der britischen "Wiederaufarbeitungsanlage" Sellafield lagern 71 Tonnen waffenfähiges Plutonium in Gebäuden, die "nicht sicherer sind als eine Scheune". Die Lager seien nicht gegen Angriffe gesichert und widerständen nicht einmal einem gewöhnlichen Feuer. Eine Explosion könne hochgiftige Plutoniumwolken über ganz Europa verbreiten. Zu diesem Schluss kommt eine Expertenkommission der britischen Regierung.
Der Untersuchungskommission, die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zusammengetreten war, gehörten Experten des MI5, der Atomaufsichtsbehörde und der Inspektion für Nukleare Anlagen an. Die englische Tageszeitung "Observer" zitiert in ihrer Sonntagsausgabe aus dem geheimen Bericht der Kommission an die Blair-Regierung.
Die Kommission empfiehlt unter anderem, die "inadäquaten" Gebäude B302 und B302.1, in denen das Plutonium lagert, sofort zu erneuern. Außerdem stellen die Experten fest, dass die Anlage in Sellafield gegen Angriffe mit Flugzeugen nicht geschützt ist. Eine Auswertung von Flugrouten zeige, dass die Luftüberwachung die Abweichung eines Flugzeugs in Richtung Sellafield erst registriere, wenn das Flugzeug nur noch vier Flugminuten von der Anlage entfernt sei - zu spät, um Abfangjäger aufsteigen zu lassen.
Die britische Regierung muss sich nun einige Fragen gefallen lassen. Selbst der konservative Innenpolitiker Oliver Letwin glaubt den bisherigen Beschwichtigungen der Blair-Regierung nicht mehr: "Es sieht aus, als ob die Beteuerungen der Regierung hinsichtlich der Sicherheit in Sellafield nicht die ganze Wahrheit sind."
Ein unabhängiger Experte, den der Observer zu dem Thema befragte, sagte: "Ich habe die Pläne von den Gebäuden gesehen. Die Strukturen halten keinen Absturz eines Flugzeugs aus. Die Wände sind sehr dünn. Schlimmer noch: Die Filter und Feuerbekämpfungsanlagen befinden sich an den Außenmauern und würden von einem Angriff sofort außer Gefecht gesetzt. Das ist nicht der Platz, an dem ich Großbritanniens gesamtes Plutoniumlager unterbringen würde."