Krippentiere sterben aus
Ochs und Esel auf der Roten Liste der bedrohten Haustierrassen
Quelle:World Wide Fund For Nature
Weltweit werden in diesen Tagen in Kirchen und Wohnräumen Weihnachtskrippen aufgebaut. Aus den Ställen blicken Ochs und Esel auf das Christuskind. Doch das friedliche Bild täuscht: In der modernen Landwirtschaft spielen diese Tiere keine Rolle mehr. Während es vor hundert Jahren in Deutschland zum Beispiel noch 87 verschiedene Rinderrassen gab, ist diese Zahl in den letzten Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen. Darauf wiesen heute der WWF und die Gesellschaft zur Erhaltung gefährdeter Haustierrassen (GEH) hin.
"Als Arbeits- und Lastentiere haben Ochsen und Esel in der Landwirtschaft schon lange ausgedient", erklärte Hilmar Freiherr von Münchhausen, Agrarexperte des WWF. Heute müssen Tierrassen in erster Linie leistungsfähig sein und das heißt möglichst schnell viel Fleisch, Milch oder Eier produzieren. "Dieser Trend hat dazu geführt, dass heute weltweit jede Woche eine Haustierrasse ausstirbt", beklagte Antje Feldmann, Geschäftsführerin der GEH. Damit würde nicht nur die Vielfalt an Tieren abnehmen, sondern auch ein Stück Kultur der jeweiligen Region verschwinden. "Wir wollen Nutztiere, die an die Region, die Böden und die Landschaft angepaßt sind wie zum Beispiel das Rote Höhenvieh im Vogelsberg oder im Harz", so WWF und GEH.
"Gerade in Zeiten von BSE will der Verbraucher keine anonyme Massenware mehr, sondern ist begeistert, wenn er Fleisch von Tieren aus seiner Region bekommt." Und wenn dieses Fleisch nicht vom Standardrind oder Standardschwein stammt, sondern von einer lokalen Haustierrasse, dann steige auch die Identität mit der jeweiligen Region und das Interesse an der Landwirtschaft.
WWF und GEH fordern deshalb, dass die Agrarpolitik stärker als bisher den Erhalt alter, vom Aussterben bedrohter Haustierrassen fördert. Gerade auch in Südeuropa, wo es heute noch eine Vielzahl an Haustierrassen gibt und wo selbst der Esel noch vergleichsweise weit verbreitet sei, müsse jetzt eingegriffen werden.

Dasselbe gelte für die Beitrittsländer zur Europäischen Union in Mittel- und Osteuropa. "Wir wollen keine Zoos für Haustiere, sondern dass die alten Rassen genutzt werden", betonten die beiden Organisationen. Insbesondere in der Landschaftspflege, aber auch beim ökologischen Landbau ergäben sich große Potentiale, um alte Haustierrassen auch wirtschaftlich attraktiv zu machen.