"Schwimmendes Tschernobyl"
Quelle: Greenpeace
Ein britisches Spezialschiff mit 61 Tonnen Atommüll hat am Mittwochabend den französischen Hafen Cherbourg in Richtung Japan verlassen. An Bord sind sechs Transport-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll. Sie stammen aus der Plutoniumfabrik von La Hague und enthalten 152 Glasblöcke, in die der stark strahlende Abfall eingeschmolzen wurde. Der Frachter, die "Pacific Sandpiper" soll in sechs Wochen in Japan ankommen. Die Fahrroute des hochgefährlichen Transports wird streng geheim gehalten. Es ist der siebte Rücktransport von Atommüll nach Japan seit 1995 und der erste nach den Terroranschlägen vom 11. September.
Der Müll fällt als Nebenprodukt bei der so genannten Wiederaufarbeitung ausgebrannter Atombrennstäbe an. Er gehört zu den am stärksten strahlenden Materialien, die jemals produziert wurden. Ein Mensch, der ungeschützt einen Meter von den Blöcken entfernt stehen würde, erhielte in weniger als einer Minute eine tödliche Strahlendosis. Gelangt das Material in die Umwelt, bedeutet das eine Strahlenverseuchung für mehre hunderttausend Jahre. An Bord der "Pacific Sandpiper" befindet sich so viel radioaktives Material, wie bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl freigesetzt wurde.
Greenpeace hatte Großbritannien, Frankreich und Japan aufgefordert, auf den brisanten Transport zu verzichten. "In dieser Zeit starker internationaler Spannungen wirft die Sicherheit dieses Transports Fragen auf", sagte ein Sprecher. Die Route der "Pacific Sandpiper" ist zwar geheim, aber da das Ziel im nordjapanischen Rokkasho-mura in der Aomori-Provinz liegt, steht eine halbe Erdumrundung an. Frühere Transporte verliefen auf drei Routen: an Kap Horn (Südamerika) vorbei; am Kap der Guten Hoffnung (Südafrika) vorbei; durch die Karibik und den Panamakanal. Auf allen Routen regt sich in den betroffenen Küstenstaaten Protest gegen den Transport.