Strahlenschäden auch im unbestrahlten Gewebe
Quelle: Greenpeace
Eine am Dienstag veröffentlichte Studie über die Gewebs-Schädigung durch radioaktive Strahlung kommt zu dem Schluss, dass schon geringe Mengen an Alphateilchen-Strahlung eine unerwartet große Schädigung bewirken können. Bislang war unter Wissenschaftlern ein Zusammenhang zwischen Strahlung und Schaden nur bei sehr hoher Radioaktivität anerkannt. Das führte zu der bislang angewandten Praxis, den Zusammmenhang bei starker Strahlung auf die Fälle geringer Strahlung "herunterzurechnen". Genau dieses Verfahren wäre aber im Lichte der neuen Erkenntnisse unzulässig, die von US-Wissenschaftler in der jüngsten Ausgabe des Fachblatts PNAS vorgestellt wurden.
Den Forschern war es möglich, gezielt eine Zelle mit einem einzelnen Alpha-Teilchen zu beschießen. Da die Zellen sich in einer Zellkultur befanden, konnte dann auch die Reaktion der unbestrahlten "Zuschauer"-Zellen beobachtet werden. Ergebnis: Deutlich mehr Zellen als zuvor bestrahlt, zeigten Strahlenschäden, wie Veränderungen an den Chromosomen. Die Forscher entdeckten, dass die Zahl der veränderten "Zuschauer"-Zellen stark zurückging, wenn sie die natürlicherweise existierenden Kommunikationsverbindungen von Zelle zu Zelle blockierten. Daraus schlossen sie, dass die bestrahlten Zellen die umliegenden Zellen auf direktem Wege dazu bringen, sich zu verändern. Und das in einem unvorhergesehen Ausmaße: Wurden nur zehn Prozent der Zellen in einer Zellkultur bestrahlt, entsprach das Schadensausmaß fast dem einer 100-prozentigen Bestrahlung.
"Diese Forschungsarbeit ist von herausragender Bedeutung", bescheinigte ein Greenpeace-Sprecher. "Es bedeutet, das zugrunde gelegte Modell für die Risikoabschätzung beim Menschen, wie es seit 1945 angewandt wird, ist falsch. Das von geringen Strahlendosen ausgehende Risiko wird damit besorgniserregend unterschätzt. Das hat bedeutende Auswirkungen auf die gesamte Atomindustrie weltweit." Eine Strahlenquelle für Alpha-Teilchen ist Plutonium. Es fällt in großen Mengen in den so genannten Wiederaufarbeitungsanlagen, wie in Sellafield oder La Hague, an. Dort ist es auch in der Umgebung nachweisbar.