Im Nebelwald fehlt nur der Nebel
Abholzung von Tiefländern vernichtet geschützten Regenwald
Quelle: Pressetext Deutschland
Wissenschaftler der University of Alabama in Huntsville haben festgestellt, dass lokaler Umweltschutz alleine nicht ausreichend ist: trotz des umfassenden Schutzes der Monteverde Nebelwälder in Costa Rica ist das Biotop durch fehlende Nebelwolken extrem gefährdet. Auslöser dafür war die Abholzung und Rodung in den nicht geschützten Niederungen.

"Tropische Bergnebelwälder gehören zu den am meisten gefährdeten Ökosystemen der Welt. Sie werden nämlich durch gestörte Wasserkreisläufe in der ganzen Welt bedroht", so Robert O. Lawton, tropischer Waldexperte der Universität von Alabama in Huntsville und Studienleiter der Untersuchung. "Wir dachten, dass wir eine großartige Arbeit vollbringen, weil wir diesen Park geschaffen haben und nun sehen wir die ganze Arbeit gefährdet", so der Forscher. Die Hänge des Monteverde Nationalparks liegen in steilen unzugänglichen Gebieten, die kühle Temperaturen erreichen und Heimat einer großen Zahl verschiedener Tier- und Pflanzenarten sind.
"Viele Lebewesen der Nebelwälder haben kein Refugium mehr, wenn die Wälder austrocknen", so Nalini Nadkarni, Ökologe am Evergreen State College in Olympia, Washington. "Die Tiere und Pflanzen sind an den Nebelwald gebunden. Wenn der Nebel verschwindet, dann sind sie zum Sterben ausgeliefert." Gefährdet sind auch die Wasserscheiden, die von den Regenwäldern gespeist werden. "Wir haben immer gewusst, dass eine Stadt, die von einem Berg mit Trinkwasser gespeist wird, die bewaldeten Hänge des Berges schützen muss, um die Wasserversorgung aufrecht zu erhalten", so James Juvik, Ökologe für Tropische Gebiete an der Universität von Hawaii in Hilo. Das gelte aber auch für die Wälder in den flachen Regionen, die die Bergwälder mit Feuchtigkeit versorgen.
Die Monteverde Nebelwälder sind nicht durch ausbleibenden Niederschlag gefährdet, der in der Regenzeit fällt, sondern in erster Linie wegen der fehlenden Nebel und tiefliegenden Wolken, die die Wälder täglich mit Feuchtigkeit versorgen. Bereits frühere Studien haben ergeben, dass die Nebelwälder durch die globale Erwärmung mit weniger Feuchtigkeit versorgt werden. Wissenschaftler waren sich nicht einig, ob die Erwärmung der Atmosphäre oder die Abholzung Ursache für das Ausbleiben des Nebels sind. Wahrscheinlich sind es aber beide zusammen.
Monteverde gilt bei den amerikanischen Forschern als Biodiversitäts-Paradies: viele der hier lebenden Arten sind endemisch, das heißt, sie kommen nur in diesem Nationalpark vor. Das Gebiet ist auch ein beliebtes Eco-Touristenziel mit jährlich bis zu 50.000 Touristen . Langzeit-Forscher in der Region haben schon seit einiger Zeit festgestellt, dass es zu Veränderungen in der Umgebung kommt. "Wenn man heute aus dem Fenster sieht, kann man Tiere beobachten, die niemals hier lebten, sondern aus den Wäldern in den Niederungen heimisch waren", so J. Alan Pounds, Biologe beim Monteverde Nebelwald Schutzgebiet. Die Monteverde-Gold-Unke, ein seltenes Amphibie, ist seit den späten 80-er Jahren nicht mehr gesehen worden.